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Spiritualität, Gesellschaft

Die Sonne scheint zu «Lichtmess» durchs Mürtschenloch

Die Tage werden länger, die Sonne leuchtet täglich ein paar Minuten mehr ins Dorf. Ein besonderes Naturereignis, das sich jedes Jahr im November und am 1. und 2. Februar um 14.35 Uhr wiederholt, ist, wenn die Sonne durchs «Stoggloch» auf den Kirchturm von Mühlehorn scheint.

Haben die Männer, die 1759 den Bau der Kirche beschlossen haben, darauf geachtet, dass der Sonnenstrahl ausgerechnet an Lichtmess auf die Kirche fällt und daher dieses Grundstück dafür ausgesucht? Eher nicht, denn der Bauplatz wurde dem Dorf geschenkt, und daher ist der Standort einfach nur Zufall.

In der reformierten Kirche ist der 2. Februar «Maria Lichtmess» kein Festtag. In der katholischen Kirche ist der 40. Tag nach der Geburt von Jesus Christus immer noch ein spezieller Tag, an dem die Kerzen geweiht werden. Lichtmess war mit vielen Traditionen verbunden, und verschiedene Bauernregeln beziehen sich darauf: «Ist an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.»

Damit das Sonnenschauspiel beobachtet werden kann, wäre der erste Teil von Vorteil. Felsenfenster oder «Augen der Alpen» sind ein Phänomen, das die Menschen immer wieder fasziniert. Geologisch lässt sich die Entstehung heute erklären. In früheren Zeiten rankten sich um die Löcher Sagen und Geschichten. In Alois Sentis Buch «Sagen aus dem Sarganserland» kann man die Sage zum Mürtschenloch nachlesen. Sie erzählt, dass ein Drache vom Hag zwischen der Alp Säls und der Alp Laubegg oberhalb Quinten aus einem grossen Loch gesprungen und gegen den Mürtschenstock geflogen sei. Der sei mit solcher Schnelligkeit geflogen und sei ein solcher Drach gewesen, der habe dort grad den Berg durchschlagen und ein Loch gemacht im Mürtschen. 

Eigentlich ist es nicht so wichtig, wie das Loch entstanden ist. Von Bedeutung aber ist, dass dieses Naturschauspiel sich jedes Jahr zweimal wiederholt und nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahrtausenden. Und dass es sich auch die nächsten Jahrtausende wiederholen wird. Diese Tatsache zeigt uns auf, wie «klein» wir Menschen sind und wie grossartig die Natur geschaffen worden ist.

Gret Menzi