News von der Glarner reformierten Landeskirche

Die Schöpfung selber erleben

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24.09.2019
Es gibt Dinge, die hören wir, die nehmen wir zur Kenntnis, allenfalls diskutieren wir sie kontrovers, aber die legen wir auch gerne zu den Akten. Wie steht es da um die Schöpfung?

Fragt man Jugendliche, was sie unter Schöpfung verstehen, dann erzählen sie, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat. Die Antwort klingt korrekt für einen Religionsunterricht, und doch gibt es immer wieder ein oder zwei, die sagen: «Das kann ja alles gar nicht sein. Was ist denn mit dem Urknall, der Evolution, die Entstehung allen Lebens, inklusive der Dinosaurier?» Diese Diskussion führen wir, das tun wir auch gerne, weil es doch ein Anliegen ist, das eine, also den biblischen Schöpfungsbericht, nicht gegen das andere, die wissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Welt, auszuspielen. So weit so gut, damit kann man die eine oder andere Unterrichtsstunde am Ende eines anstrengenden Schultages füllen.

Natur in Reinform

Oder man verlegt diese Diskussion an einen anderen Ort. Im Glarner Mittelland geht es seit vielen Jahren genau mit diesen Fragen im Gepäck ins Konflager an die Nordsee. Hoch im Norden Deutschlands auf eine Hallig, ein kleines Stück Erde mitten im Meer. Hier gibt es nichts, ausser Natur in ihrer Reinform. Und natürlich ist die Schöpfung unser Thema. Dabei geht es auch um diese sechs Tage aus dem biblischen Bericht, und es geht auch um die Gegenüberstellung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Evolution. Verbunden mit der Erkenntnis, dass sich beides gar nicht so sehr beisst. Denn letztlich geht es doch um unser Verhältnis zu dem, was im religiösen Sinne Schöpfung heisst. Wie nehme ich meine Umwelt wahr, was berührt mich, was lässt mich kalt? Und welche Verantwortung habe ich dieser Schöpfung gegenüber?

Im Konflager bedienen wir uns dabei unserer Sinne. Das heisst, wir schmecken, riechen, hören, fühlen und sehen. Gepaart mit den vier Elementen, die uns umgeben, ergibt das praktisch die volle Ladung Schöpfung. Konkret heisst das, wie schmeckt eigentlich Natur, oder wie fühlt es sich an, wenn der Wind an mir zerrt, mir den Drachen aus der Hand zu ziehen droht. Wie weit können wir schauen mit und ohne Spektiv, und welche Vogelart erkennen wir? Was bedeutet es, wenn das Wasser unter den Gezeiten kommt und wieder geht, wie kalt ist das Wasser und eignet es sich zum Baden oder gar zu einer Schlammschlacht?

Die Verbundenheit zu den Elementen stellt mein Körper her. Ihn zu spüren als Teil von Gottes Schöpfung gehört ebenso dazu wie das Bewusstwerden der Verantwortung von uns Menschen gegenüber der Natur. Auf unserer Hallig gibt es unverfälschte Natur, Sonnenuntergänge, die grandios sind, Sternenhimmel von unendlicher Dimension. Das alles berührt unser Inneres, und spätestens, wenn am Ende des Lagers am Strand ein Feuer brennt, spüren alle diese besondere Atmosphäre, die uns Gottes Schöpfung frei Haus schenkt.

Es sind besondere Tage auf der Hallig Hooge. Sie bietet das, was kein Schulzimmer aufbringen kann. Und viele Jugendliche, die einmal dort waren, reden später noch davon. Wie schön!

Pfarrerin Dagmar Doll

 

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