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Kirche

Synodalratspräsidium: Eine Sprengkandidatinsetzt sich durch

25.11.2020
Die Herbstsynode der reformierten Landeskirche wird in die Geschichte eingehen. Lilian Bachmann, die nicht offiziell kandidierte, wurde zur neuen Synodalratspräsidentin gewählt. Daraufhin gab es als Protest Rücktritte.

Einigkeit herrschte an diesem nebligen Mittwochvormittag nur zu einem Zeitpunkt – als die Abgeordneten der verstorbenen Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst gedachten, die im März aufgrund einer Krebserkrankung verschieden war. Pfarrer Hans Weber, Sursee, fand ergreifende Worte und erinnerte an die Sterblichkeit von jedem von uns. Dieses Stichwort nahmen einige Synodale auf, um heftige Kritik zu üben, überhaupt aufgeboten worden zu sein und ein zu hohes Risiko eingehen zu müssen. Die Synode sei extra aus Gründen der Sicherheit in das katholische Centro Papa Giovanni in Emmenbrücke verlegt worden, konterte Synodepräsidentin Ruth Burgherr.

Im Anschluss kam es zur Wahl des Synodalratspräsidenten. Zwei Kandidaten waren angetreten: Pfarrer Hans Widmer und Alexander von der Marwitz, ehemals Manager im Diakoniebereich. «Zum ersten Mal in der 50-jährigen Geschichte der Synode gibt es eine echte Wahl», verkündete Ulrich Walther, Vizepräsident der Fraktion Land. Diese Auswahl jedoch schien einigen Synodalen nicht zu genügen. Sie brachten eine Sprengkandidatin ins Spiel, Synodalrätin Lilian Bachmann, Leiterin des Departements Recht. Sie hatte nach dem Tod von Ursula Stämmer das Synodalratspräsidium ad interim geleitet.

Kandidatur zurückgezogen
Ihre Verblüffung war zahlreichen Synodalen ins Gesicht geschrieben, als das Ergebnis des ersten Wahlgangs verkündet wurde: Lilian Bachmann hatte das beste Resultat erzielt. Obwohl sie gar nicht angetreten war. 21 Abgeordnete hatten auf den leeren Wahlzettel ihren Namen notiert. Die offiziellen Kandidaten erhielten jeweils 15 (Alexander von der Marwitz) und 13 Stimmen (Thomas Widmer). Thomas Widmer zog daraufhin seine Kandidatur zurück. Durch seinen Rückzug wolle er Alexander von der Marwitz unterstützen, wie er verkündete. Er sei überzeugt davon, dass von der Marwitz das Amt erfolgreich besetzen würde. Ein zweiter Wahlgang musste durchgeführt werden, da niemand das absolute Mehr erreicht hatte. Mit dem Ergebnis: Lilian Bachmann siegte äusserst knapp mit 24 zu 23 Stimmen.

Fünf Rücktritte
Im Anschluss kam es zum Eklat. Synodepräsidentin Ruth Burgherr und Vizepräsident Alexander Boerlin drückten ihren Missmut über die Wahl mit ihrem Rücktritt aus. «Mit Ursula Stämmer-Horst war die Zusammenarbeit stets konstruktiv» so Ruth Burgherr. «Nach ihrem Tod wurde die Zusammenarbeit mit ihrer ad interim-Nachfolgerin sehr schwierig. Ich möchte gerne einen gradlinigen Dienst für die Kirche leisten. Das kann ich unter diesen Bedingungen nicht.» Vizepräsident Alexander Boerlin konkretisiert: «Es handelte sich offensichtlich um eine gut organisierte Aktion von Kräften, die nicht einverstanden waren, ein offenes und transparentes Bewerbungsverfahren durchzuführen und ein Berufungsverfahren vorgezogen hätten. Ihr Plan war, die Wahl zu verschieben. In der Frühjahrssession wäre dann automatisch Liliane Bachmann in das Amt gerutscht. Der Plan misslang, deshalb kam der Plan B zum Zug.»

Am nächsten Tag gab Daniel Schlup, Fraktionspräsident der Fraktion Agglomeration, seinen Rücktritt bekannt, ebenso Ulrich Walther, Vizepräsident der Fraktion Land. Robert Gerhard, Präsident der Fraktion Land, trat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Geschäftsleitung, die normalerweise aus zehn Personen besteht, hat derzeit noch fünf Mitglieder.

Lilian Bachmann wurde 2016 in die Synode gewählt. Die 48-jährige Juristin ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie verstehe diesen Wahlsieg als Vertrauensvotum der Synode, erklärte die neue Präsidentin nach ihrer Wahl. Gerade in der jetzigen ungewissen Zeit gehe es um die Gewährleistung von Kontinuität.

Einigkeit herrschte einzig bei den restlichen Themen der Agenda. Die Entschädigungsansätze der Synodalräte wurden nach zehn Jahren angehoben. Die Jahresrechnung 2019, die mit einem Einnahmenüberschuss von 177 385 abschliesst, ist mit 231 000 Franken besser als budgetiert.

Carmen Schirm-Gasser