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Gesellschaft

Superheldin mit 100

Wie ein zufriedener Lebensabend aussehen kann, wird beim Besuch einer 100-Jährigen greifbar.

Der Besuch wird früh angesetzt. Die betagte Dame ist immerhin seit 5 Uhr wach, hat ihre Turnübungen gemacht und danach schon einiges geschafft. Das meiste, so erklärt sie, schaffe sie noch alleine. Und doch hat sie jeden Morgen eine Hilfe, die ein wenig die Augen und die Ohren ersetzt, wie sie schmunzelnd feststellt.

«Altwerden muss man lernen»

Was fröhlich klingt, steht der Dame manches Mal im Weg, denn bis vor ein paar Jahren haben ihre Sinne noch bestens funktioniert. Anzunehmen, dass eben nicht mehr alles so klappt, ist ein Lernprozess. «Altwerden muss man lernen!», erklärt die hochgewachsene Frau. Hilfe anzunehmen, wenn man sein Leben so selbständig gelebt hat, ist schwierig.

Acht Kinder waren sie zuhause in Stein am Rhein, und früh hiess es mitzuhelfen. Das war selbstverständlich. Und auch später in ihrem Beruf als Coiffeuse war sie gewissenhaft. Vor 60 Jahren kam sie ins Glarnerland, wo sie zusammen mit ihrem Mann ein Unternehmen aufbaute. Auch hier hiess es anpacken, denn nur mit dem gewissen Ehrgeiz kann man es zu etwas bringen, da ist sie sich sicher. Das gilt beruflich wie privat.

Sie reist bis heute gerne. Eine Runde mit dem Postauto durch das Glarnerland gehört fest zum täglichen Programm. Das gilt auch für die regelmässigen Ausfahrten mit dem Zug nach Romanshorn, Bern oder Zürich. Zusammen mit einer Freundin geht es immer in dasselbe Café vor Ort auf eine Suppe und ein Stück Kuchen.

Ein wenig rastlos ist sie schon, das gibt sie zu, aber es hält sie fit. Genauso wie das Interesse an Politik und Gesellschaft. «Mit ihr kann man gut diskutieren. Da profitieren wir voneinander», erklärt ihre Hilfe.

Jammern liegt ihr nicht, obwohl sie manchmal schon traurig ist, dass aus ihrem früheren Umfeld niemand mehr lebt und sie auch von persönlichen Schicksalsschlägen nicht verschont worden ist. Trotzdem ist sie nicht allein. Ihre Familie und Nachbarn sind bei ihr, und das geniesst sie. «Ich habe gerne Betrieb um mich herum», erzählt sie. Viel an früher zu denken, liegt ihr nicht. Die Gegenwart ist ihr lieber.

Das tägliche Gebet, die Häkelarbeit und die Ausflüge mit ihrem GA bilden das Rezept für ihre Zufriedenheit. Ihren 100. Geburtstag hat sie mit 30 Leuten gefeiert. Ein schönes Fest, an das sie gerne zurückdenkt. Und besonders an eine Urkunde ihrer Urenkelin, die ihre Kommode ziert. «Wer braucht schon Superhelden – ich hab Urgrosi.»

Dagmar Doll



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Adieu Urs 

Noch nie waren wir so sehr auf die Menschen im Gesundheits- und Rettungswesen angewiesen wie jetzt. Zeit, ihnen allen Danke zu sagen für die schon fast übermenschliche Leistung, die ihnen angesichts der Corona-Krise abverlangt wird. Dies wollte Urs Heer mit diesem Bild ausdrücken. 

Auch er war wegen einer schweren Erkrankung schon länger auf die Unterstützung der Medizin angewiesen. Leider konnte sie in seinem Fall nicht mehr helfen: Er verstarb, kurz bevor «Reformiert GL» gedruckt wurde. 

Wir trauern mit seinen Angehörigen um einen liebenswerten Menschen und hervorragenden Fotografen, der in den vergangenen 18 Jahren jede Ausgabe von «Reformiert GL» mit einem wunderbaren, kreativen Bild auf der «Letzten Seite» bereichert hat. Zwei Tage vor seinem Tod schickte er noch Fotos bis zum September. Es war ihm ein Anliegen, dass diese noch erscheinen werden. Gerne respektieren wir seinen Wunsch. 

Wir danken Urs Heer posthum für sein jahrelanges, zuverlässiges und wertvolles Wirken im Dienste unserer Landeskirche. Seinen Angehörigen sprechen wir unser tiefempfundenes Beileid aus. Auch wir sind sehr traurig. Er ruhe in Frieden. (mb)