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Kirche, Gesellschaft

Schöne Tradition: Gottesdienst zum Schuljahresbeginn

An mehreren Orten im Kanton laden alljährlich die Kirchgemeinden zu einem Gottesdienst zu Beginn des neuen Schuljahres ein, um danach gestärkt und gut gerüstet den Schulalltag anzugehen.

Etwas zögerlich betreten die neun Schülerinnen und Schüler das Kirchgemeindehaus in Linthal am Mittwochnachmittag. Pfarrer Christoph Schneider hat zum Schülergottesdienst eingeladen, so wie immer am Anfang eines Schuljahres. Die Jugendlichen haben gerade den Übertritt in die Oberstufe hinter sich, oder sind noch in den letzten Klassen der Primarschule, manche sind schon in den höheren Klassen.

Christoph Schneider beginnt etwas kurios und liest einen völlig unverständlichen Satz vor. Die Schülerinnen und Schüler sind sofort dabei, finden das lustig. Es stellt sich heraus, es ist finnisch und zu verstehen ist so gut wie gar nichts. Der Grosstaler Pfarrer hat zudem ein finnisches Kinderbuch mitgebracht, aus dem er vorliest. 

Es geht ums sichtbar sein und unsichtbar machen. «Wer ist für uns unsichtbar?», fragt der Pfarrer. Engel, Geister, Gespenster, tote Menschen, Gott, Trolle – den Schülerinnen und Schülern fällt dazu manches ein. Der Kern scheint aber woanders zu liegen. Es gibt, so Christoph Schneider, überall Menschen, die unsichtbar sind. Zum Beispiel kranke Menschen oder Alte, die nicht mehr hinauskönnen, Aussenseiter, die in der Schule eher nicht auffallen und am Rand sind. Diesen Menschen gibt Gott ein Gesicht. Je mehr man von einem Menschen sieht, desto mehr freut man sich, heisst es im Kinderbuch, und das ist ein gutes Motto für ein neues Schuljahr.

Wie ein bunter Blumenstrauss

Nicht nur in Linthal werden Kinder und Jugendliche mit einem Gottesdienst in das neue Schuljahr entlassen. In Glarus Nord wimmelte es gleich an zwei Stellen von quirligen Kindern mit Ihren Eltern. Hier waren es eher die Kleinen, also die, die jetzt zum ersten Mal in die Schule kommen. In Mollis begrüsste Pfarrerin Christina Brüll die Erstklässler und stellte sich die Schule wie einen grossen Blumengarten vor. Eine Schulklasse sei ein wenig wie ein bunter Blumenstrauss, so die Pfarrerin. Es gäbe das fleissige Lieschen genauso wie das tränende Herz, das Vergissmeinnicht oder die Sonnenblume. Alle gehören zusammen und werden durch Gottes Band vereint. «Es war ein schönes Bild», so Christina Brüll, «als erst die Kinder und dann auch alle Erwachsenen sich mit einem Band zu einer Gemeinschaft verbündeten.»

Das Blumenmotiv herrschte auch in Filzbach vor. Hier fand der Gottesdienst gar in einem Stall statt, und Annemarie Pfiffner durfte zudem eine Taufe vornehmen.

Bei den Geschwistern der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Glarus war es die Geschichte von Josua, die alle auf den Weg bringen sollte, für die das Schuljahr einen Anfang bedeutet. So vereinten sich hier Kindergartenkinder neben Schulanfängern und Jugendlichen, die in das neue Lehrjahr gehen. Es wurden sogar Schultüten im Gottesdienst gebastelt, die alle später mit nach Hause nehmen konnten. 

Es ist eine gute Tradition, Lebensübergänge zu feiern und unter den Segen Gottes zu stellen. Dass die Gottesdienste jeweils so gut angekommen sind, zeigt, wie gross das Bedürfnis ist, ein gutes und segensreiches Rüstzeug mit auf den Weg zu bekommen. 

Pfarrerin Dagmar Doll