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Gesellschaft

«Hey, wir sind alle Influencer»

Jana Highholder ist Influencerin. Die Medizinstudentin ist im Auftrag der Evangelischen Kirche Deutschland im Web unterwegs und zeigt Kante.

Frau Highholder, wann haben Sie zum letzten Mal öffentlich erklärt, dass Sie an Gott glauben?
Am letzten Wochenende, als ich für einen Beitrag unterwegs war.

Für die meisten ist der Glaube etwas Privates. Für Sie nicht. Warum?
Den Rückzug des Glaubens in das private Leben würde ich als modernen Biedermeier bezeichnen. Ich glaube, dass wir aufgefordert sind, das Gegenteil zu tun. Gehet hin und machet Jünger, lautet der Auftrag, den wir Christen ernst nehmen sollten. Wenn ich überzeugt bin, dass ich die beste Botschaft der Welt kenne, die Herzen, Seelen und Menschen rettet und verändert, dann kann und will ich diese doch nicht für mich behalten. Ich glaube, dass diese Nachricht das Leben reicher macht. Dieser Reichtum gehört nicht nur mir, sondern auch allen anderen, weil er unermesslich ist.

Ihre Videos erreichen 50’000 Zuschauer. Was machen Sie besser als Pfarrer und Pfarrerinnen am Sonntag auf der Kanzel?
Es geht um Inhalt und Form. Die Form muss mit der Zeit gehen, damit sie die Jugend erreicht, sie muss die Menschen ansprechen. Der Inhalt, die Wahrheit, ist zeitlos. Sie war vor 2000 Jahren genauso aktuell wie sie heute ist.

In Ihren Videos reden Sie Klartext. Manche Kritiker empfinden dies als konservativ.
Ich glaube, wir sollen klar sein. Natürlich ändern sich meine Perspektiven und erweitert sich mein Horizont, ansonsten würde ich mir Sorgen machen. In einer Welt, in der alles Wischiwaschi und irgendwie o.k. ist, haben wir oft kein Verhältnis mehr zu wahr und falsch. Aber es gibt Wahrheiten, es gibt Glaube und es gibt das Gegenteil von Wahrheit. Dafür zeige ich eine klare Kante. Viele biblische Stellen sind auslegungswürdig, aber es gibt Bibelstellen, die klar sind. Die Herausforderung ist, dass wir das so annehmen und unser Leben danach ausrichten.

Als kirchliche Influencerin sitzen Sie im Schaufenster. Wie reagiert Ihr Umfeld darauf?
Wenn man für etwas einsteht und beharrlich ist, dann beeindruckt dies, unabhängig von der Botschaft. Ich will zeigen, dass ich es ernst meine. Ich möchte, dass meine Worte genauso von der Botschaft erzählen, wie das mein Leben tut. Viel dramatischer wäre es, wenn ich sagen würde, ich bin Christ, und mein Umfeld fragt, meint sie das ernst?

Gibt es auch Kritik?
Klar. Wenn man etwas Relevantes tut, dann gibt es Kritik. Das ist eine normale Dynamik, die zeigt, wie relevant etwas ist. Wenn es niemanden interessiert und aufregt, gibt es keine Reaktionen. Schon allein der Name Christus ruft Emotionen hervor, entweder der Zustimmung oder der Ablehnung. In den sozialen Medien fällt die Kritik oftmals heftig aus.

Stört Sie das nicht?
Das ist der Preis, den ich bezahle. Gott hat mir meine Stimme und die Plattform geschenkt und es wäre unklug, dies nicht zu gebrauchen. Ich sage dann, Jesus, du hast mir diese Verantwortung auferlegt, ich will diese weitertragen, weil ich glaube, dass du das verdienst. Dazu brauche ich deine Hilfe.

Braucht die Kirche mehr Influencer?
Jeder Jesusnachfolger sollte ein Beeinflusser seines Umfelds sein. Wir sind eine gesellschaftliche Gruppe, die eine Botschaft kennt, welche die Macht hat, zu verändern. Jeder kann dies tun, an dem Ort, wo er steht. Sei es die Mutter, die ihren Kindern zeigt, was Fürsorge ist, sei es an der Schule oder Universität oder anderswo. Alles, was du sagst, denkst oder tust, zählt und hinterlässt Spuren. Ich denke, dieser Verantwortung sollten wir uns alle bewusst sein. Hey – wir sind alle Influencer.

War Jesus ein Influencer?
Mit Sicherheit, und einer der bekanntesten, damals wie auch heute.

Interview: Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 3. Januar 2020

www.janahighholder.de

Kirchen und soziale Medien: Influencer des Herrn



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Adieu Urs 

Noch nie waren wir so sehr auf die Menschen im Gesundheits- und Rettungswesen angewiesen wie jetzt. Zeit, ihnen allen Danke zu sagen für die schon fast übermenschliche Leistung, die ihnen angesichts der Corona-Krise abverlangt wird. Dies wollte Urs Heer mit diesem Bild ausdrücken. 

Auch er war wegen einer schweren Erkrankung schon länger auf die Unterstützung der Medizin angewiesen. Leider konnte sie in seinem Fall nicht mehr helfen: Er verstarb, kurz bevor «Reformiert GL» gedruckt wurde. 

Wir trauern mit seinen Angehörigen um einen liebenswerten Menschen und hervorragenden Fotografen, der in den vergangenen 18 Jahren jede Ausgabe von «Reformiert GL» mit einem wunderbaren, kreativen Bild auf der «Letzten Seite» bereichert hat. Zwei Tage vor seinem Tod schickte er noch Fotos bis zum September. Es war ihm ein Anliegen, dass diese noch erscheinen werden. Gerne respektieren wir seinen Wunsch. 

Wir danken Urs Heer posthum für sein jahrelanges, zuverlässiges und wertvolles Wirken im Dienste unserer Landeskirche. Seinen Angehörigen sprechen wir unser tiefempfundenes Beileid aus. Auch wir sind sehr traurig. Er ruhe in Frieden. (mb)