News von der Glarner reformierten Landeskirche
Synodepräsidentin der reformierten Kirche Kanton Luzern

Beatrice Barnikol: «Es wird meistens gut»

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07.09.2023
Seit dem Sommer leitet Beatrice Barnikol die Sitzungen der Synode der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Die Synodepräsidentin zur Zukunft der Kirche und dazu, wie die Kirche Jugendliche ansprechen könnte.

Sie ist Schulleiterin in Ermensee, Gemeindepr├Ąsidentin des 500-Seelen-Dorfes Honau, verheiratet, Mutter von zwei Teenagern und seit Sommer Syno┬şdepr├Ąsidentin der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Bei Bea┬ştrice Barnikol h├Ąufen sich die ├ämter. Dabei wirkt die 46-J├Ąhrige weder gestresst noch ├╝berarbeitet. Ihr Motto lautet: ┬źKirche darf lustvoll sein und Lust machen┬╗.

Als Barnikol f├╝r das Synodenpr├Ąsidium angefragt wurde, sagte sie nach R├╝cksprache mit ihrer Familie zu. Aus ihrer politischen und beruflichen Laufbahn wisse sie, was auf sie zukomme. Luzern habe eine aktive und engagierte Synode, und das B├╝ro sei gut besetzt. Reizvoll sei f├╝r sie, dass in diesem Amt so vieles zusammenkomme. Barnikol will f├╝r einen reibungslosen Ablauf der Sitzungen sorgen, Br├╝cken bauen und das gegenseitige Verst├Ąndnis f├Ârdern.

├ľkumene in die Wiege gelegt

Ausschlaggebend f├╝r ihre Zusage waren sicher auch Barnikols gute Erfahrungen mit der Kirche. ┬źDie ├ľkumene wurde mir in die Wiege gelegt┬╗, sagt sie lachend. Ihr Vater war reformiert, ihre Mutter katholisch. In Kriens, wo sie aufwuchs, besuchte sie den Religionsunterricht zusammen mit den katholischen ┬źGsp├Ąnli┬╗. Zur Firmvorbereitung gingen die Katholiken getrennt. Das passte Barnikol nicht, sie setzte sich beim Priester daf├╝r ein, dass auch sie den Unterricht besuchen durfte.

Den Konfirmandenunterricht hat Beatrice Barnikol in guter Erinnerung. Der Pfarrer habe ihre Fragen ernst genommen, auch wenn sie manchmal sehr provokativ waren, r├Ąumt Barnikol ein. ┬źEr nahm es mit Humor und viel, viel Geduld.┬╗ Theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen spielen f├╝r Barnikol keine Rolle. Nat├╝rlich fand sie als Kind, dass die Katholiken die pr├Ąchtigeren Kirchen und die Priester die sch├Âneren Gew├Ąnder hatten.

Als Schulleiterin erlebt sie den rasanten gesellschaftlichen Wandel. Die Gesellschaft spiegele sich in der Schule wider, das Kollegium und die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler seien mit Themen wie Integration, Inklusion und Digitalisierung konfrontiert. Hinzu k├Ąme, dass die Eltern anspruchsvoller geworden seien. Die Schule stehe vor neuen Herausfor┬şderungen und der Frage, wie sie in Zukunft aussehen werde.

Die Jugendlichen erreichen

Beatrice Barnikol erlebt, dass Lehrerinnen und Lehrer, die sich mit Herzblut engagieren, vieles abfedern m├╝ssen. ┬źDas macht m├╝de┬╗, sagt die Schulleiterin. Die Schule k├Ânne nicht alles leisten, das gehe nur gemeinsam mit dem Elternhaus. ┬źOft fehlen die Hoffnung und der Glaube, dass es gut wird. Und es geht meistens gut┬╗, so Barnikols Erfahrung. Deshalb w├╝nscht sich Barnikol von der ├ľffentlichkeit und den Medien einen liebevolleren Umgang mit den Schulen.

Es braucht keine Partykirche, sondern eine Kirche, die die Jugendlichen ernst nimmt und fragt, was sie brauchen.

Und wie k├Ânnte die Kirche die Jugendlichen besser erreichen? F├╝r die Schulleiterin geh├Âren Glaube und Spiritualit├Ąt zur Identit├Ątsbildung. ┬źDie Kirche darf ├╝ber den Glauben reden, das ist ihr Auftrag.┬╗ Die Kirche m├╝sse R├Ąume schaffen, in denen Jugendliche so sein k├Ânnen, wie sie sind. Als Katechetin habe es ihr Spass bereitet, mit den Kindern zu arbeiten und auf ihre manchmal provokanten Fragen einzugehen. Man d├╝rfe sich nicht zu hohe inhaltliche Ziele setzen, sondern m├╝sse ┬źauch mal ├╝ber das Leben reden┬╗. Die Kinder und Jugendlichen w├╝rden schnell verstehen, dass die biblischen Figuren ├Ąhnliche Probleme hatten wie die heutigen Zeit┬şgenossen. ┬źWichtig ist, dass die Jugendlichen in der Kirche auf Pfarrerinnen und Pfarrer, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter oder Diakoninnen und Diakone treffen, die authentisch sind.┬╗

Barnikol glaubt nicht, dass die Kirche die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit mehr Angeboten halten kann. Es sei normal, dass ihr Kontakt zur Kirche abnehme. Wenn die Jugendlichen aber gute Erfahrungen gemacht h├Ątten, an die sie sich sp├Ąter gerne erinnerten, k├Ąmen sie auch wieder in die Kirche. ┬źDazu braucht es keine Partykirche, sondern eine Kirche, die die Jugendlichen ernst nimmt und fragt, was sie brauchen.┬╗ Davon ist Barnikol ├╝berzeugt.

Kirche steht vor grossen Herausforderungen

Der gesellschaftliche Wandel mache auch vor den Kirchen nicht halt, so die Synodenpr├Ąsidentin. Die Kirche stehe vor der grossen Herausforderung, Traditionen zu bewahren und zeitgem├Ąss zu sein. Das sei ein riesiger Spagat, dessen ist sich Beatrice Barnikol bewusst. Und nat├╝rlich m├╝sse die Kirche an ihrem Image arbeiten, das heute etwas verstaubt wirke.

Beatrice Barnikol ist ├╝berzeugt, dass die Kirchen auch in Zukunft ein ┬źOrt der Gemeinschaft in guten wie in schlechten Zeiten┬╗ sein werden. Ein Ort der Begegnung und des Diskurses, wo man auf die Menschen zugeht und f├╝r Verst├Ąndnis wirbt. Die Kirche m├╝sse sich heute vermehrt fragen: Was brauchen die Menschen? Was k├Ânnen wir als Kirche tun? Zuh├Âren, Solidarit├Ąt und N├Ąchstenliebe schenken, achtsam mit der Sch├Âpfung umgehen. All das seien Themen, mit denen die Kirche sich in die Gesellschaft einbringen k├Ânne.

┬źDie Ver├Ąnderungen in der Kirche werden in einem Prozess und im Dialog geschehen┬╗, sagt Beatrice Barnikol. So wie es die Grossgruppenkonferenzen der Reformierten Kirche des Kantons Luzern andeuteten. Zweihundert Menschen aller Couleur diskutierten im letzten Winter auf Augenh├Âhe miteinander ├╝ber die Kirche der Zukunft. F├╝r Beatrice Barnikol war dies eine wichtige Erfahrung. Man h├Ârte zu, ohne gleich zu werten, und f├╝hlte sich ernst genommen. An einer solchen Kirche will sie mitwirken.

 

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