Denkpause: Die Welt ist ein Ei
An Ostern gab's wie immer überall Eier, wunderschön bemalte, aus Schokolade und Zucker, in allen Farben und ich meine, wir können noch eine Weile davon geniessen.
Am frühen Ostermorgen in Matt hatten wir zu unserer Überraschung drei riesengrosse Eier auf unserem reich gedeckten "Zmorgetisch", symbolisch aufgebrochen, mit einem brennenden "Cherzli" drin (siehe Bild), ein handgemachtes Kunstwerk aus Gips von unserer Katechetin Edith Schuler. Nach dem Ostergottesdienst in Elm, in den ich zwei dieser Eier mitgenommen hatte, gab es eine richtige Diskussionsrunde darüber: Wie hat sie das gemacht? Die Gipseier erschienen so geschliffen und echt, mit der Hand kann man nicht so feine und gleichmässige Oberflächen hervorbringen... und die Form? Erstaunlich! Da die Künstlerin nicht mehr zugegen war, konnten wir nur darüber rätseln und staunen.
Obwohl die Bibel das Ei nicht als Symbol für das leere Grab des auferstandenen Christus verwendet, so ist doch die Verbindung unübersehbar. Und wie so oft ist es die Natur, die den Glauben unterstützt.
Sagen wir's mal so: Das Universum ist ein Ei und die Schale ist die Zeit. Sie, die Zeitschale, grenzt uns ein in die dreidimensionale Welt. Jesus-Christus, Gott-Mensch, lebte, starb und stand wieder auf zu einem neuen Leben. Nachdem er aus dem Grab herauskam – aus der zerbrochenen Eierschale – war er, bis zur Auffahrt, wieder mit seinen Freunden. Aber etwas war anders: Er war nicht mehr an irdische Hindernisse und Naturgesetze gebunden. So gehen alle biblischen Berichte der Augenzeugen in die gleiche Richtung: Man erkannte ihn nicht mehr sofort, er verschwand urplötzlich und erschien im Raum trotz verschlossener Tür, Distanzen schienen für ihn überhaupt nicht mehr zu existieren... Er hatte sich aber nicht zu einem Lüftchen reduziert, so wie wir uns (und damals die Jünger) ein Gespenst vorstellen, sondern das Gegenteil. Er war mehr als vorher. Als hätte das Aufbrechen "der Eierschale" ihm eine neue Dimension eröffnet.
Weiterhelfen können uns Edwin Abbott Abbott (und andere Denker), mit seiner Novelle "Flatland" aus dem 19. Jahrhundert, in der er sich Wesen auf Punkten, Linien und Flächen verbildlicht. Wenn wir uns eine zweidimensionale Fläche vorstellen, auf der zweidimensionale Wesen leben, dann gäbe es für diese keine dritte Dimension - das heisst keinen Körper, kein Volumen. Sie hätten denn auch keine Dicke/Festigkeit. Sie, die "Flachländer" wären für uns wie Hauch obwohl sie das Gegenteil behaupten würden. Wir könnten durch sie hindurchlaufen wie durch eine Diaprojektion, das "Gespenst" wären nicht wir, sondern sie. Wir könnten mitten unter ihnen leben, ohne dass sie uns sehen würden... so ähnlich wie "Das Reich Gottes ist mitten unter euch", und "Ich bin bei euch bis an der Welt Ende".
Da wir die Erklärungen, eins zu eins, mit Sicherheit nicht verstehen würden, können wir nur darüber rätseln und staunen.
Die Welt ist ein Ei... und wenn mal die Schale gebrochen ist, werden wir die Dinge anders sehen, so wie Jesus-Christus, so wie unsere Lieben, die uns dorthin vorausgegangen sind. Wir beweinen sie und doch dürfen wir uns auf ein Wiedersehen freuen in einer höheren Dimension. Jesus-Christus ging uns, gerade in dieser Zeit, eben dorthin voraus.
Text und Bild: Pfr. Beat E. Wüthrich, Matt-Engi-Elm
Denkpause: Die Welt ist ein Ei