News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!»

von Bruno Wyler-Eschle
min
30.12.2025
Das Jahr 2026 ist noch ganz neu, taufrisch sozusagen. Wie ein weisses, leeres Blatt Papier harrt es darauf, wie wir es gestalten, welche Spuren wir legen, wie bunt wir es treiben. Welche Hoffnungen hegen wir im Neuen Jahr? Welche Ziele verfolgen wir? Was möchten wir gerne geschenkt bekommen?

Die Jahreslosung wird bekanntlich von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibel­le­sen (ÖAB) festgelegt und von vielen Kirchen, auch der reformierten in der Schweiz, über­nom­men. Wir lesen in der Offenbarung des Johannes 21,5 den Vers «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!». Er entstammt der Vision des «neuen Himmels und der neuen Erde». Offenbar sagt Gott uns seine Unterstützung zu, wenn wir neue Pfade beschreiten wollen; mehr noch, die neuen Pfade stiftet er uns nachgerade. Wir dürfen also mit Elan und Mut Dinge tun, die wir so davor noch nie getan haben. Das tönt tröstlich und vielversprechend.

Ich kenne das Tun des Neuen, nie Dagewesenen so, dass es mir in kraftvollen und harmoni­schen Zeiten recht elegant gelingt, es anzupacken. Tritt aber eine Situation auf, die mich stresst, dann falle ich in alte Muster zurück. Denn die aufgetretene Spannung macht mich un­ruhig und lässt mich deswegen Halt suchen. Da liegt es wohl nahe, das Altbewährte wie­der her­vor­zukramen, da es mich auch diesmal stützt, wie schon oft davor. Dies allein schon zeigt mir auf, dass ich Gottes Hilfe durchaus gut gebrauchen kann, zumal mich das Le­ben im­mer mal wieder mit Stress konfrontiert. Dabei trotzdem neue Wege zu gehen, ist die wah­re Heraus­for­derung und nicht eben einfach. Auch der Blick in die Weltlage bestätigt, dass wir auch politisch stark herausgefordert sind.

«Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!» Das ist ein Versprechen, das alle menschlichen Möglichkeiten übersteigt. Niemand von uns kann wie Gott alles neu machen, schon gar nicht alles auf einmal. Darin spiegelt sich für mich auch der Unterschied, wie Gott bzw. wie wir Men­­schen kreativ sein können. Während wir Menschen die Materialien und Ressourcen aus der Schöpfung und dem eigenen Geschaffensein hernehmen, um etwas zu gestalten, so kann Gott allein aus dem Garnichts heraus Himmel, Erde, uns Geschöpfe und neue Wege kreieren. Gott hatte schon zu Beginn der Zeiten von Grund auf alles neu gemacht und kann ob dieser Fä­hig­keit auch jetzt noch und wieder alles neu machen. Sein Neumachenkönnen fusst auf et­was grundsätzlich Tiefgründigerem als dem, was Menschen zu erneuern ver­mö­gen.

Ich pflege jeweils in der Adventszeit in Gottesdiensten und anderen kirchlichen Anlässen den anwesenden Menschen die Stille, das Innehalten, ein Horchen auf Gott zu empfehlen. Auch in der Zeit des angebro­che­nen Neuen Jahres scheint mir dies hilfreich zu sein. Weil wir Menschen unser Erschaffen so­wie­so schon auf dem Fundament von Gottes Schöpfung aus­füh­ren, lohnt es sich, auf Gott hin zu horchen. Er kann uns dazu inspirieren, diejenigen Din­ge neu anzupacken, die dem göttlichen Wirken entsprechen und gerade darum ins Ge­ling­en verliebt sind. Wenn Got­tes Kraft, aus dem Nichts heraus kreatürlich zu sein, sich mit un­serer Kraft verbindet, durchs Ge­schaffensein selber auch zu schaffen, dann wird das Neue gewiss entspringen und leben.

Horchen wir also auf Gott, wenn wir uns am Anfang eines Neuen Jahres fragen: Welche Spu­ren legen wir, wie bunt treiben wir es? Wel­che Hoffnungen hegen wir im Neuen Jahr? Welche Ziele verfolgen wir? Was möchten wir ger­ne geschenkt bekommen? Und ich möchte eine weitere und, wie mir scheint, entscheidende Frage hinzufügen: Was davon gefällt Gott; was fügt sich ins anbrechende und schon angebrochene Reich Gottes gut ein? Um pas­sen­de Antworten dürfen wir ringen, dürfen wir beten.

Denkpause von Bruno Wyler-Eschle, Pfarrer in Ennenda

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