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Denkpause: Kumbaya

von Dagmar Doll
min
29.01.2026
Kumbaya - der Titel eines ökumenischen Jugendgesangbuchs aus den 1980-er Jahren. Es mag verwundern, aber ausgerechnet im Januar 2026 kommt mir das Lied eigentlich ständig über den Weg.

„Ein seltsamer Titel!“ – so steht es auf dem Klappentext des früheren ökumenischen Jugendgesangbuchs, das vielleicht noch einige kennen. „Er stammt aus einem Lied… Du findest es in diesem Buch. Dort kannst du wie allen fremdsprachigen Liedern nachlesen, was das auf Deutsch heisst.“ So heisst es weiter auf der Rückseite des Liederbuches von 1980.

Mir war dieses Lied ein Begriff, doch mehr auch nicht. Ich kann mich kaum erinnern, es oft gesungen zu haben. Weder als Jugendliche noch mit Jugendlichen. Da gibt es andere Hits, wie „Laudato si“ zum Beispiel.

Jedenfalls mag es verwundern, aber ausgerechnet in diesem Januar kommt mir Kumbaya eigentlich ständig über den Weg.

Sprachlos nach Crans-Montana

Angefangen, als ich nach einem Lied für den Gottesdienst suchte, um der Sprachlosigkeit nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana irgendwie Ausdruck zu verleihen. Mir wurden in dieser Ausnahmesituation die gängigen Vertrauenslieder aus unserem Gesangbuch immer fremder. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „Befiehl du deine Wege“ – um zwei exemplarisch zu nennen.  

„Kumbaya, was heisst das eigentlich?“ Das gelbe Buch, das vor mir liegt verspricht eine Übersetzung. Also schaue ich nach. „Komm zu mir, mein Herr, komm zu mir“. Das ist die erste Strophe und dann: „Jemand weint, mein Herr, komm zu mir. Dann: „Jemand singt“, dann: „Jemand betet“. Kurz, knapp prägnant. Und alles ist gesagt. Denn manchmal sind zu viele Worte nur billiger Trost.

Ich rede mit meinen SchülerInnen der 1. Oberstufe über die Katastrophe in der Bar im Wallis und merke, dass sie um Antworten ringen, manche erstaunen mich, ja empören mich sogar. Das macht mich wiederum sprachlos und wir singen gemeinsam Kumbaya. Ein solch einfaches Lied ist schnell gelernt und sie versuchen tapfer mitzuhalten. Gemeinsames Singen liegt ihnen nicht besonders. Aber wir singen, weil es so einfach ist, dieses Lied, das nicht viele Wort brauchte und so viel sagt. Als wir den Ort wechseln und zur Kirche gehen, um dort an dem Gedenkort, der dort aufgestellt ist, eine Kerze zu entzünden, ist die Stimmung anders. Das Lied und der besondere Ort haben etwas verändert und alle zünden eine Kerze an und verewigen sich im Gedenkbuch, das dort ausliegt.

Sehnsucht nach Gott

Kumbaya, komm zu uns – jemand weint. Bei einer Beerdigung, um die ich kurz danach gebeten werde, gibt es einen Liedwunsch – Kumbaya. Da ist es wieder und wieder gibt es kaum ein passenderes Lied. Jemand weint, jemand betet, komm zu uns. Das Lied drückt eine tiefe Sehnsucht nach Gott aus. Gerade dann, wenn die Situation überfordert, wenn Fassungslosigkeit herrscht. Lass uns nicht allein, Gott, komm! Gerade wenn wir nichts mehr verstehen, gerade, wenn wir keine Antworten wissen, dann lass uns nicht allein beten, allein weinen, allein singen.

Als Mose sich überfordert zeigt angesichts von Gottes Auftrag, da offenbart sich Gott ihm mit den Worten: „Ich bin, der ich bin, ich bin da!“ Mehr nicht und mehr braucht es ja auch nicht. Zunächst, jemand der kommt und einfach da ist. Wir sind nicht allein, dass soll das sagen. Wir haben einen Gott an unserer Seite, der mit uns weint, betet und singt.

Der Januar ist am Samstag vorbei. Am Sonntag, den 1. Februar bin ich um einem Vertretungsgottesdienst gebeten worden. Es gäbe dort auch Liederwünsche. Eines ist dabei, das mir in diesem Januar eng ans Herz gewachsen ist. Und so beginnt der Februar wie der Januar aufgehört hat mit der Gewissheit, dass Gott bei uns ist. Kumbaya, my Lord, Kumbaya.

Denkpause zum 31. Januar 2026, Glarner Nachrichten

Text und Buld: Dagmar Doll, Glarus 

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