News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: Sorglos ins neue Jahr

von Almut Neumann
min
16.01.2026
Es ist, so denke ich, einer unserer grössten Wünsche für das neue Jahr, sich nicht dauernd Sorgen machen zu müssen. Sind wir doch in dieser Zeit eher besorgt, verunsichert, verängstigt, statt sorglos und zuversichtlich zu sein: Wie wird die Welt in einem Jahr aussehen?

Wir spüren, wie Sorgen um sich greifen quer durch alle Generationen: Jugendliche sorgen sich um ihre Zukunft, Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Erwachsene sorgen sich um ihren Arbeitsplatz und um die eigene finanzielle Lage. Wir Senioren machen uns Gedanken, über all das, was auf uns zukommen wird: Habe ich für alles gesorgt und mich genug abgesichert? Wie wird unser Ende aussehen?

Es tut mir dann gut, die Worte Jesu zu hören. Er steht inmitten der Menschen und sagt das, was ich in der Bibel für das Schönste überhaupt halte: „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch… Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ ( Matthäus 6, 25-34 )

„Sorgen ist unnötig“, sagt Jesus sinngemäss im Evangelium. „Gott hat euch das Leben geschenkt. Deshalb wird er euch auch alle nötigen Lebens-Mittel hinzugeben. Wer euch Grosses gibt, wird auch für das Kleine sorgen. An der Natur dürft ihr ablesen: Gott sorgt für das, was er geschaffen hat. Wenn er schon in Gräser, Blumen und Tiere so viel Liebe investiert, wie viel mehr kümmert er sich um euch, die ihr seine Ebenbilder seid. Darum sorgt euch nicht; denn Gott sorgt für euch!

Grossartige Worte des Vertrauens! Doch ich schaffe das nicht, was Jesus sich von uns  wünscht. Ich sorge mich um Geld und Kleidung. Ich sorge mich um die Gesundheit und den Zustand der Welt. Ich will gerne viel vertrauen, aber Sicherheiten sind wichtig. Ich möchte mehr Gottvertrauen haben, aber ich habe eben auch ein Sparkonto, Versicherungen und oft mehr Sorgen, als mir guttut. Ich will den Worten Jesu folgen, denn sie sind zutiefst wahr. Sie sagen: Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen. Hör auf, dich dauernd um dein Leben zu kümmern. Kümmere dich um wichtigere Dinge.

Ich soll nicht unbesorgt sein wie ein Luftikus – das sagt Jesus nicht. Er sagt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, kümmere dich um deine Nächsten, gib auch ab von dem, was du hast. Dann geht es dir gut, und Gott gibt dir, was du brauchst.

Das will ich können. Und weil ich es oft nicht kann, will ich es üben, immer wieder, jeden Tag ein bisschen mehr; möchte erkennen, was mich hindert, Gott mehr zu vertrauen als mir selbst. Die Worte Jesu über Sorge und Vertrauen sind Lebensworte. Doch das schafft kein Mensch. Das verlangt Jesus auch gar nicht. Aber er will meine Mühe. Und er will sie, weil er ganz sicher ist, dass er recht hat.

In diesem Vertrauen darf ich leben. Ich darf aufatmen, und im Großen wie im Kleinen alles Gott überlassen, was auch immer mir Angst macht im Leben und gewiss im Sterben.

Folgen wir seiner Spur, dann dürfen wir entdecken, wie Gott uns versorgt und befreit mit handfesten Folgen für das Miteinander.

Rundum sorglos sein, auch wenn ich merke, dass kleine und große Sorgen regelmässig vorüberziehen oder sich breit machen. Das wusste schon Martin Luther. „Sorgen sind wie Vögel“, sagte der Reformator, „wir können nicht verhindern, dass sie über unseren Kopf fliegen. Aber wir können verhindern, dass sie auf unserem Kopf Nester bauen.“

Darum dürfen wir uns immer wieder an den Gott erinnern lassen, der für uns sorgt, der uns befreit und uns beauftragt. Ich wünsche allen ein segensreiches Jahr. Eure Almut Neumann, im Januar 2026 (Denkpause, 17.1.2026, Glarner Nachrichten)

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