News von der Glarner reformierten Landeskirche

«Die Kirchen sind ein Dorf»

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23.09.2022
Pfarrer Haiko Behrens stand am Swiss Hub, dem Schweizer Stand an der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe. Er schildert seine Eindrücke von der Bischofsdichte bis zum aufblühenden Christentum in Asien.

Haiko Behrens, Sie waren an der Vollversammlung des ├ľRK in Karlsruhe. Mit welchem Eindruck sind Sie zur├╝ckgekehrt?
Dass die Kirche ein Dorf ist. An der Vollversammlung waren Menschen aus aller Welt, mit einer beeindruckenden Bischofsdichte. Ich habe noch nie so viele kirchliche Prominente auf einem Haufen gesehen. Der gr├Âsste Teil der Besucher und Besucherinnen kam aus ├ťbersee, Afrika und Asien. Ich w├╝rde sogar behaupten, die Europ├Ąer waren in der Minderheit. Beeindruckend waren auch die vielen Ehrenamtlichen, welche die Vollversammlung unterst├╝tzten.

Was hat Sie besonders gefreut?
Es war eine sehr farbenpr├Ąchtige Veranstaltung. Es gab zahlreiche ├Âkumenische, diplomatisch austarierte Gottesdienste, vor allem mit den orthodoxen Br├╝dern und Schwestern. Deren Tradition hat mich beeindruckt. Ich muss aber einr├Ąumen, dass ich am Swiss Hub im Karlsruher Messegel├Ąnde stand und von den grossen Debatten wenig mitbekam.

Was war dort Ihre Aufgabe?
Behrens lacht. Ich versuchte gewinnend zu l├Ącheln und auf Deutsch und Englisch parlierend ├╝ber das Schweizer Kirchentum und seine Bedeutung f├╝r die reformatorische Bewegung in der Welt zu informieren.

Hat man an der Vollversammlung gemerkt, dass die christlichen Kirchen auf anderen Kontinenten wachsen, w├Ąhrend sie in Europa kleiner werden?
Ja, die Kirchen wachsen vor allem in Asien und Afrika. Die Afrikaner, Asiaten und auch S├╝damerikaner sind theologisch sehr versiert, wir haben dies in Europa in den letzten Jahren gar nicht mitbekommen. Wir leben in Europa auf einer kleinen Insel der vermeintlich Seligen. Die Kirchenmitglieder werden ├Ąlter, die Kirchgemeinden kleiner, theologischen Nachwuchs gibt es, aber nicht mehr so zahlreich wie fr├╝her.

Gibt es auf anderen Kontinenten ein Interesse an reformierter Theologie?
Ja. Ich stand am Stand und eine junge Asiatin kam auf mich zu, schaute auf mein Namensschild und fragte mich in perfektem Deutsch nach meiner Meinung zum Schriftwechsel des grossen Schweizer Theologen Karl Barth mit dem ebenso grossen Paul Tillich aus dem Jahr 1967. Es ging um das Thema Dialektische Theologie. Oder so ├Ąhnlich. Sie doktoriere ├╝ber diesen Schriftwechsel und ich als Theologe der Eidgenossenschaft wisse doch sicher ├╝ber diesen Themenkomplex Bescheid und k├Ânne dezidiert Auskunft geben.

Und konnten Sie?
Nun, ich weiss, wer Karl Barth und Paul Tillich waren. Aber ich habe keine Kenntnisse ├╝ber ihren Schriftverkehr in den sechziger Jahren, geschweige denn eine Meinung dazu. ├ťbrigens: Ich werde meiner neuen chinesischen Kollegin mailen, denn ich habe einen profunden Kommentar zu dem omin├Âsen Briefwechsel gefunden. In einer ghanaischen Fachzeitschrift.

Konnte der Pfarrer von Dornach etwas f├╝r seine Gemeinde aus Karlsruhe mitnehmen?
Ja, ein paar gottesdienstliche Impulse. Ich habe einige neue Lieder kennengelernt und viel Literatur erhalten. Es braucht aber Zeit, bis ich alles Material gesichtet habe.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online

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