News von der Glarner reformierten Landeskirche

Gastbeitrag: Ihr seid das Salz der Erde

von Daniel Prokop
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26.02.2026
Salz wirkt still, aber unaufhaltsam. Es macht Speisen geniessbar. Ohne Salz ist alles fad, gleichgültig, ohne Tiefe. So sagt Jesus: Christen sollen der Welt „Geschmack“ geben: Sinn, Tiefe, Wahrheit – einer der kraftvollsten und zugleich geheimnisvollsten Worte der Bergpredigt.

Von Pfarrer Daniel Prokop, Dekan der Glarner Katholischen Landeskirche*

Ihr seid das Salz der Welt: Mit einem einzigen Bild fasst Jesus zusammen, wie seine Jünger in der Welt wirken sollen: still, aber wirkungsvoll; unscheinbar, aber unverzichtbar; klein an Menge, aber gross an Bedeutung. Dieses Wort ist nicht nur eine moralische Mahnung, sondern eine Identitätsaussage. Jesus sagt nicht: „Ihr sollt Salz werden.“ Er sagt: „Ihr seid Salz.“ Es ist also ein Ausdruck dessen, wer Christen in seiner Perspektive bereits sind.

Im Alten Testament war Salz wertvoll. Es galt als Symbol für: Reinheit, Dauerhaftigkeit, Bundestreue, Würde und Kost. Salz war teuer, selten und schwer zu gewinnen. Als Jesus seinen Jüngern sagt, sie seien das Salz der Erde, hebt er damit ihr hohes Ansehen vor Gott hervor. In einer Welt, die vieles verachtet und vieles als bedeutungslos ansieht, spricht Christus seinen Menschen einen unermesslichen Wert zu. In der Antike war die Hauptaufgabe von Salz nicht das Würzen, sondern das Konservieren. Es schützte Lebensmittel vor Verfall, Fäulnis und Zerfall. Wenn Jesus sagt „Ihr seid das Salz der Erde“, meint er: Ihr seid eine Kraft, die die Welt vor moralischem und geistlichem Zerfall bewahrt. Durch euer Leben, eure Liebe, eure Treue, euren Glauben wirkt ihr bewahrend. Die Welt bleibt menschlicher, gerechter, lichtvoller – weil ihr da seid. Das geschieht nicht durch Macht, sondern durch innere Haltung. Ein gerechtes Herz kann eine ungerechte Umgebung verändern. Ein gnädiger Mensch kann Härte aufbrechen. Ein reines Herz kann eine Umgebung der Täuschung verwandeln.

Salz wirkt still, aber unaufhaltsam. Salz macht Speisen geniessbar. Ohne Salz ist alles fad, gleichgültig, ohne Tiefe. So sagt Jesus: Christen sollen der Welt „Geschmack“ geben: Sinn, Tiefe, Wahrheit, Liebe. Sie sollen durch ihr Sein zeigen, dass das Leben göttlichen Wert hat. Sie bringen Hoffnung hinein in das, was ohne sie geschmacklos wäre. Das Evangelium ist nicht bloss eine Lehre – es ist ein Aroma, das die Welt verändert. Jesus braucht nur ein wenig Salz, um ein ganzes Essen zu verändern. Das bedeutet spirituell: Auch wenige Menschen können viel bewirken. Gottes Reich wächst nicht durch Masse, sondern durch Reinheit des Herzens. Ein einzelner Mensch, der liebt, kann eine ganze Umgebung verwandeln. Christus erinnert seine Jünger daran, dass Gott kleine Anfänge bevorzugt. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn – und wie ein wenig Salz. Jesus fügt eine ernste Warnung an: „Wenn das Salz kraftlos wird, womit soll man salzen?“ In der Antike gab es verunreinigtes Salz, das seine Wirkung verlor. Spirituell bedeutet das: Ein Glaube, der nicht gelebt wird, verliert seine Kraft. Eine Liebe, die nicht praktiziert wird, wird schwach. Ein Christentum ohne Christus verliert seine Würze. Die Mahnung Jesu ist nicht verurteilend, sondern liebevoll: Bleibt in mir, dann bleibt eure Kraft. Nur ein Leben, das nah an Gott bleibt, bewahrt seine salzende Wirkung.

Im Alten Testament gab es den Begriff: „Salzbund“ (4. Mose 18,19; 2. Chronik 13,5). Ein Salzbund war unzerbrechlich, beständig, ewig. Wenn Jesus sagt „Ihr seid das Salz der Erde“, dann erinnert er die Jünger an ihre: Bundestreue, Berufung, heilige Zugehörigkeit zu Gott. Ihr Leben soll Gottes Bund sichtbar machen – mitten in der Welt. Salz wirkt, indem es sich verliert. Es löst sich auf, um seine Kraft zu entfalten. So ist christliche Liebe: Sie wirkt, indem sie gibt. Sie verändert, indem sie sich hingibt. Sie segnet, indem sie sich nicht selbst sucht. Salz bleibt nicht sichtbar – aber seine Wirkung bleibt spürbar. Die Welt braucht Salz. Sie braucht Menschen, die bewahren, heilen, würzen, Hoffnung bringen. Jesus sagt damit: Die Erde wird heller, weil ihr hier seid. Die Welt wird besser, weil ich euch sende. Ihr seid meine stille, kostbare Kraft in dieser Zeit. „Ihr seid das Salz der Erde“ ist kein kompliziertes Bild. Es ist schlicht – aber grenzenlos tief: Sei bewahrend. Sei heilend. Sei liebevoll. Sei treu. Sei echt. Sei würzend. Sei da. In einer Welt, die oft bitter oder fade schmeckt.

*Dieser Artikel wurde auch am 7. Februar 2026 als "Denkpause" in den Glarner Nachrichten publiziert. 

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