News von der Glarner reformierten Landeskirche

Heute ist heute ist HEUTE – oder warum eine Kirche weniger noch keine Kirche ausmacht

von Pfarrer Daniel Zubler
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07.02.2024
Was macht eine Kirche aus? Geht es nur um die Gebäude? Was gibt den Orten ihre Bedeutung? Pfarrer Daniel Zubler geht diesen spannenden Fragen nach.

Wer h├Ątte das gedacht? Dass sich aus einem ┬źZuviel┬╗ einmal ein ┬źImmer-Weniger┬╗ entwickeln w├╝rde. Ein Zuviel sollte doch Zins und Zinseszinsen abwerfen, aber nicht Kapital abbauen. Diejenigen, welche ein Zuviel (es betrifft wohl die Aller-Allerwenigsten unter uns) an Geld auf ihren Konten horteten, wurden seit dem Jahr 2015 tats├Ąchlich mit einem Negativzins belastet (seit Sept. 2022 wieder aufgehoben). Das biblische Wort: ┬źWer hat, dem wird gegeben┬╗ hat sich f├╝r dieses einzige Mal seit der Verschriftlichung dieses Bibelverses nicht bewahrheitet. Und nun stehen die Landeskirchen vor einem ├Ąhnlichen Problem. Wir, als Landeskirchen, besitzen ein Zuviel an Gottesh├Ąusern und kirchlichen Geb├Ąuden. Diese Bauten generieren keine Zinsen. Es fehlen die lebendigen Zinsen der urspr├╝nglichen Versammlungsorte. Die sich versammelnden Menschen waren diese lebendigen Zinsen, welche unter einem beh├╝tenden Dach Gemeinschaft (er)leben wollten. Leider entwickelte sich im Laufe der Zeit auch bei kirchlichen Geb├Ąuden eine Negativzinskurve. Einfach, weil die lebendigen Zinsen fehl(t)en und sie sich nicht mehr gegenseitig begeistern und verzinsen. An anderen Orten auf unserem Globus, wo Menschen um ein gemeinschaftlich-sch├╝tzendes Kirchendach froh w├Ąren, werden H├Ąuser und eben auch Kirchen unbarmherzig zusammengebombt, so als k├Ânnte man die Geb├Ąude am n├Ąchsten Tag ohne Probleme wieder aufbauen. Wie gerne w├╝rden wohl einzelne Kirchgemeinden eines ihrer Geb├Ąude mit einer Schleife versehen in Kriegsgebiete verschenken, um dort einen kleinen Flecken Frieden und Sicherheit zu erm├Âglichen. Nur; - so einfach ist das nicht. Das wissen wir alle.┬á

Was empfinden Sie, liebe Leserin, lieber Leser nun als schwerwiegender? Eine innere Verarmung der Kirche, wo sich die Menschen abwenden, verabschieden, gleichg├╝ltig werden - oder eine ├Ąussere Bedrohung durch (Bomben)- bzw. Repressionsgewalt? Ich kann f├╝r Sie keine Antwort geben. Eines wird mir dabei aber klar: Eigentlich ist es ein unglaubliches Luxusproblem, mit welchem sich unsere Landeskirche auseinandersetzen muss. Man denke nur an die Weihnachtsgeschichte vor gut 2000 Jahren. Jesus wurde nicht in einer geheizten Kirche, sondern in einem Stall geboren. Und dieser war nicht mal im Besitz von Josef bzw. Maria. Und trotzdem ist eine weltumspannende Religion unter der Menschheit erbl├╝ht, welche nun seit ├╝ber 2000 Jahren den Menschen eines verk├╝nden will: ┬źF├╝rchtet euch nicht, denn euch ist HEUTE der Heiland geboren┬╗. Ich nehme dieses HEUTE ganz w├Ârtlich. Jeder Tag ist HEUTE, nicht bloss der 24. Dezember.┬á

Liebe Leserin, lieber Leser. Protestantischer Glaube bedeutet, sich im ├╝bertragenem Sinne gegen ┬źNegativzinsen┬╗ zu erheben. Nach dem Gebet heisst es in die H├Ąnde spucken und sich vom Heilig-Kreativen-Geist inspirieren lassen. Mit Ideenreichtum fantasierend. Mit Zuversicht und Hoffnung ausger├╝stet. Mit weitem Herzen und offenem Blick vertrauensvoll in die Zukunft schauend. So gelingt und lebt Kirche mit und ohne viel Architektur. Heute vor 2000 Jahren und auch heute HEUTE noch.┬á

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