News von der Glarner reformierten Landeskirche

Hören mit dem Herzen – Gottes Stimme im Alltag

von Elsbeth Wetter
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26.03.2026
Schweige und höre, Neige deines Herzens Ohr, Suche den Frieden (Reformiertes Gesangbuch, Lied 166).

Von Elsbeth Wetter, Niederurnen

Wunderbar sind wir Menschen und Tiere ausgestattet mit unseren Ohren, mit unserem Gehör. Durch den Lärm des Verkehrs hindurch höre ich frühmorgens eine Amsel singen, dann die Kirchenglocken den Tag einläuten und dann später fröhliche Kinderstimmen der Schule zustreben und noch viel Schönes mehr - wie etwa das Rauschen des Regens an einem durchnässten Tag. Im Laufe des Tages begegne ich dann Menschen, die mir etwas mitteilen. Hab’ ich ihnen gut zugehört, frag’ ich mich manchmal danach, und auch zwischen den Zeilen gelesen?

Unser Ohr ist den ganzen Tag "on duty"! Auch unsere tauben Mitmenschen »hören«, durch die Gesten der Hände und durch die Mimik des Gegenübers. Das beeindruckt mich, und macht mich dankbar für die Gabe des Hörens.

Mose hört Gottes Reden im Dornbusch 

Im Gottesdienst höre ich Gottes Wort, unter anderem in Form von Versen aus der Bibel. Einen der Verse oder mehrere von ihnen bleiben bei mir hängen und begleiten mich durch die Woche hindurch. Gerade auch solche, die mit dem Hören zu tun haben. Zum Beispiel, wie Gott zu Mose aus einem brennenden Dornbusch heraus sprach (2. Mose 3) oder wie der junge Samuel in der Nacht auf Gott hörte (1. Samuel 3).

Mich beeindruckt bei diesen Versen und den biblischen Texten überhaupt, wie Gott auf mancherlei Weise zu den verschiedensten Menschen spricht. Und ich denke darüber nach, ob wir diese Geschichten und Überzeugungen auch heute noch nachvollziehen können - hören können, was sie uns zu sagen haben. Für mich ist ein Gewinn, über solche und andere Fragen nachzudenken, und den Versen durch die Woche hindurch immer wieder einmal nachzusinnen: zu ergründen, was sie uns zu sagen haben und Gottes Stimme darin zu vernehmen.

Ein Vers aus dem Buch Jesaja als persönlicher Ruf 

In jungen Jahren spürte ich, dass der damals eingeschlagene Weg nicht der meine war. Da ergab es sich, dass ich folgendem Vers aus dem Buch Jesaja begegnete: "Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!" (Jesaja 6,8). Diese Verse sprachen mich tief in mir drin an und ich fragte mich, ob ich bereit wäre, in diesem Sinne zu leben.

Etwa zur selben Zeit machte ich Erfahrungen, die mir zeigten, dass ich ein Herz für Menschen in Afrika hatte, die unter sehr einfachen Bedingungen lebten und medizinische Betreuung brauchen, die sie nicht bekommen können. Ich wollte etwas für sie tun, und so kam beides zusammen. Es war aber noch ein langer und steiniger Weg, bis ich nach zwei sich ergänzenden Ausbildungen im Pflegebereich ins südliche Afrika reisen durfte, um schlussendlich in einem Missionsspital Menschen und Gott dienen zu dürfen. Bis es so weit war, musste ich mir immer wieder in Erinnerung rufen, was ich ganz am Anfang des Weges durch die Jesaja-Verse erlebt und gehört hatte. Es hat sich gezeigt, dass Gott mich durch manche Schwierigkeiten geführt hat und so mein Traum, in Afrika zu wirken, in Erfüllung ging.

Mir wurde durch diese Erfahrung folgendes sehr wichtig: "Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Heilige Geist den Gemeinden sagt (Offenbarung 2,29)" - Sich unter Gottes Wort stellen, auf ihn hören, dass aus dem Gehörten ein Gehorchen wird.

Bild (Gestaltung: René Hausheer-Kaufmann): Im Hintergrund ist ein Ausschnitt der sechs meter langen Jesajarolle zu sehen, die in einer der Höhlen von Qumram gefunden wurde. Er beginnt mit Jesaja 6:... wen soll ich senden...  

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