News von der Glarner reformierten Landeskirche

Mit betenden Händen drechseln, bohren und sägen

von Vinzent Pietzcker
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02.03.2026
Im Mai wird ein grosses Jubiläum gefeiert: 725 Jahre Kirche Betschwanden, 20 Jahre Gemeinde Grosstal. Sie lädt ein, mit historischem Handwerk, Theater und Festivitäten ins Mittelalter einzutauchen.

Von Vinzent Pietzcker, Betschwanden

Kann man mit einer Säge beten? Ich behaupte: ja, man kann! Letztens grad erst wieder gesehen und bewundert: Aus verschiedenen Holzbalken und -latten, Schrauben und Klötzen entstand Stück für Stück eine mittelalterliche Drechselbank. Hat nichts mit Glauben zu tun? Doch, und zwar sehr: Denn diese Drechselbank ist der Grundstock, quasi die Keimzelle für unser Gemeindejubiläum und Kirchweihfest.

Die Kirche Betschwanden ist vermutlich vor 1300 gebaut worden, also mitten im Mittelalter - und alle hölzernen Einbauten wurden wahrscheinlich mit so einer Drechselbank rund gemacht, in Form gebracht. Und genau, wie der mittelalterliche Drechsler und der Steinmetz und der Maurer mit ihren Händen aus tiefstem gläubigen Herzen an einem Gotteshaus gebaut haben, so ist auch unsere Drechselbank aus dem Wunsch entstanden, etwas beizutragen zum Gemeindeleben, zum gelebten Glauben im Alltag.

Es ist auch nicht das erste Werkstück, das quasi mit diesen betenden Händen (die übrigens Ruedi Hächler in Braunwald gehören) für die Gemeinde entstand. Davor durften wir zum Beispiel schon ein wundervoll flackerndes Hirtenfeuer fürs Krippenspiel am 24.12. geniessen. Und wer in Braunwald im Advent unterwegs ist, entdeckt mehr als ein kunstvoll gestaltetes Adventsfenster aus genau diesen Händen. Die grosse beleuchtete Krippenszene ist dabei immer wieder ein Highlight.

Eine unüblich grosse Kirche

Aber zurück zur Drechselbank: Wozu braucht eine Kirchgemeinde zum Beten eine Drechselbank? Nun, damit wir uns dem annähern können, was vor über 725 Jahren die Menschen angetrieben hat, eine ziemlich grosse Kirche zu bauen. Denn erstaunlicherweise wurde damals ein unüblich grosse Kirche in Betschwanden in den auch heute noch sichtbaren Massen gebaut. Da brauchte es viele fromme Menschen, die mit anpackten, die Zeit, Kraft und Geld spendeten.

Und 705 Jahre später (also vor 20 Jahren) kam es dann zu einem neuen Bau. Zu einem, den man nicht so in Stein sehen kann, der aber unser Leben und unseren Alltag von da an prägen sollte: aus den Kirchgemeinden Linthal, Betschwanden, Braunwald und Luchsingen wurde die Kirchgemeinde Grosstal. Und da mussten auch sehr viele Leute mit anpacken, hier und da tatkräftig umgestalten, neu bauen… und es sind sicherlich auch im übertragenen Sinne ein paar Hobelspäne gefallen bei diesem Umbau.

Zum Glück aber ist das, was dabei herausgekommen ist, wirklich sehenswert. Fast wie ein Werkstück, das ebenmässig rund auf der Drechselbank entstand.

Und darum wollen wir das feiern: unsere alterwürdige Kirche, ihre fleissigen Erbauer und unsere Kirchgemeinde Grosstal, in der Alt und Jung seit nun 20 Jahren kreativ und mit viel Freude ihren Glauben leben und gestalten.

Wie? Mit einem Mittelalterfest (wie sollte es anders sein), mit allerlei mittelalterlichen Gewerken (vom Drechseln über Töpfern bis zum eher wehrhaften „Handwerk“ damaliger Zeit, wie Schwertkampf und Bogenschiessen) und mit einem Theaterstück, dass die Kinder rund um die Entstehung unserer Kirche „bauen und feilen“ werden. Dank Theater Bruderboot wird das sicherlich wieder eine humorvolle und doch tiefsinnige Annäherung an unsere Kirchen-Geschichte werden.

Kommt doch auch und schaut, was betende Hände so alles entstehen lassen können: Am Wochenende des 30./31. Mai mit Theateraufführungen Samstag 17 Uhr und Sonntag 10 Uhr in Betschwanden

Bild der Kirche Betschwanden: Jürg Huber

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