News von der Glarner reformierten Landeskirche
Weltgebetstag

Nigeria: zwischen Angst, Elend und Hoffnung

von Tilmann Zuber
min
05.03.2026
Nigeria, das Land, aus dem die diesjährige Liturgie zum Weltgebetstag stammt, kämpft mit Gewalt, Armut und Unsicherheit. Terrorgruppen wie Boko Haram und ISWAP hinterlassen Zerstörung und Leid. Umso wichtiger, das Land ins Zentrum zu rücken. 

«Ich will euch stärken, kommt!»: Diese Worte aus Matthäus 11, 28 hallen über Kontinente, von Kapstadt bis Kopenhagen. Am Freitag, 6. März, dem Weltgebetstag, werden sie in unzähligen Kirchen gesprochen. Die diesjährige Liturgie stammt aus Nigeria, einem Land, das wie kaum ein anderes mit Problemen ringt. Über 230 Millionen Menschen leben hier – in einem Mosaik aus Ethnien, Sprachen und Religionen und in einem Netz aus Gewalt, Armut und Unsicherheit.

Der Norden Nigerias erzählt von Zerstörung. Die Terrorgruppen Boko Haram und Islamischer Staat Provinz Westafrika (ISWAP) sind Teil des Alltags geworden. Dörfer wie jenes im Bundesstaat Kwara, das Anfang Februar angegriffen wurde, liegen in Trümmern. Über 160 Menschen starben, Häuser brannten, Überlebende wurden verschleppt. Im Bundesstaat Borno trifft die Gewalt selbst Soldaten. Entwicklungsprojekte stocken, Schulen bleiben leer, Felder unbestellt. Hunger ist hier keine abstrakte Grösse, sondern Realität – spürbar auf den Strassen, hörbar in knurrenden Mägen.

Der Landweg ist zu gefährlich

«Die Menschen in Nigeria brauchen jede Unterstützung», sagt Angelika Weber, Programmverantwortliche für Nigeria und Kamerun bei Mission 21. «Es ist sehr, sehr schlimm.» Im November reiste sie zuletzt in den afrikanischen Staat. Sie flog zu den Hilfsprojekten in den Städten, denn die Strassen über das Land sind zu gefährlich. Überfälle, Morde und Entführungen gehören zum Alltag. Lösegeld wird gezahlt, doch oft kehren die Entführten nicht in die Freiheit zurück. Der Regierung fehle die Kraft, Sicherheit wiederherzustellen.

Werden Dörfer überfallen, kommen die Einsatzkräfte meist zu spät. Die Terrorgruppen und Banditen seien besser ausgerüstet als die Regierungstruppen, so Weber. Dabei ist Nigeria mit seinen Ölvorkommen ein reiches Land. Doch die Gewinne fliessen in die Taschen einer kleinen Oberschicht oder ins Ausland. Die Mehrheit lebe in Armut. «Auf der anderen Seite hat Nigeria weltweit den grössten Champagnerimport», bemerkt Weber.

Mission 21 betreibt im Nordosten Nigerias zahlreiche Projekte. Sie fördern den Frieden zwischen Christen und Muslimen, etwa durch Gespräche und gemeinsame Fussballspiele. Andere Projekte helfen Frauen, die unter geschlechtsspezifischer Gewalt leiden. Hier können sie erstmals über ihre Erlebnisse sprechen. Auch praktische Hilfe gibt es: Ein Projekt stellt Binden her, damit Frauen während ihrer Periode am öffentlichen Leben teilnehmen können. Bildungszentren bilden Schneiderinnen, Caterer, Schreiner oder Schuster aus. Nach der Ausbildung erhalten die Frauen Werkzeuge und Materialien für ihre Start-ups – Nähmaschinen, Stoffe, Scheren oder Kuchenformen.

 

Der Weltgebetstag Schweiz ist Teil einer weltweiten Bewegung von Frauen aus vielen christlichen Traditionen. Jedes Jahr am ersten Freitag im März laden Kirchgemeinden zum Gottesdienst ein. 2026 findet er zum 90. Mal statt, am Freitag, 6. März, mit Texten und Spezialitäten aus Nigeria. Weitere Infos: wgt.ch

 

Drohung von US-Präsident Trump

Nigeria steht inzwischen auch in den Schlagzeilen des Westens. Dem Land wird Christenverfolgung vorgeworfen. Im letzten Jahr drohte US-Präsident Donald Trump mit einem Militäreinsatz, falls die Regierung nicht stärker gegen Gewalt an Christen vorgehe. Als Angelika Weber im November in Nigeria war, bewegte dieses Thema die Menschen. «Niemand befürwortet einen Angriff von aussen», sagt sie. Aber Trump habe die Probleme angesprochen, während Europa oft wegsehe.

Doch sein Fokus auf Christenverfolgung greife zu kurz. Die Gewalt trifft Christen ebenso wie moderate Muslime. Die Konfliktlinien sind komplex und verlaufen entlang religiöser, ethnischer und wirtschaftlicher Spannungen. Der Norden ist mehrheitlich islamisch, der Süden christlich. Es gehe auch um Land, Bevölkerungsdruck und den Konflikt zwischen nomadischer und bäuerlicher Lebensweise.

Gibt es Hoffnung für Nigeria? Angelika Weber sieht wenig Anlass dazu. Im Gegenteil: Die Organisation USAid hat auf Beschluss der US-Regierung ihre Büros geschlossen und die Hilfe eingestellt. Auch aus Europa und der Schweiz gehen die Gelder zurück. Die Folgen für die Länder des globalen Südens sind verheerend. Umso wichtiger sei es, dass der diesjährige Weltgebetstag Nigeria in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt.

 

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