News von der Glarner reformierten Landeskirche

One-(Wo)Man-Show = Gottesdienst?

von Pfarrerin Manja Pietzcker
min
20.03.2024
Wann ist eigentlich ein Gottesdienst ein «guter» Gottesdienst? Wenn die Musik gefällt? Wenn man die Gebete, Lesungen und die Predigt gut versteht? Wenn Impulse mitgenommen werden können?

In all diesen Punkten rund um einen ¬ęguten¬Ľ Gottesdienst sind wir uns vermutlich sehr einig. Ein guter Gottesdienst ist es, wenn die Pfarrperson (und der Musiker) einen guten Job macht.

Aber wo kommt die reformierte Gemeinde, wo kommen die m√ľndigen Gl√§ubigen selber zu Wort? Denn das war doch eigentlich mal der Anspruch, den Zwingli und seine Mitstreiter hatten: Dass der Gottesdienst nicht √ľber die K√∂pfe der Gemeinde hinweg, sondern mit ihnen gemeinsam gefeiert wird.¬†

 

Geliehene Worte

Gut, wir singen gemeinsam Lieder. Da machen wir alle zusammen den Mund auf und loben Gott, singen vielleicht auch einmal von Schwierigkeiten und Zweifeln. Je nachdem, was der Lied-Texter aufgeschrieben hat und die Liederkommission f√ľr tauglich befunden hat f√ľr unser Gesangbuch. Vielleicht hat sogar die Pfarrperson einmal ein besonderes Lied mitgebracht, passend zum Thema. Aber all diese Worte sind nicht die eigenen Worte. Es sind geliehene Worte von anderen. Im besten Falle finden wir sie ok, k√∂nnen wir sie guten Gewissens mitsingen. Aber es sind nicht unsere eigenen Worte und Themen.

 

Selbstgeschriebene F√ľrbitten

Sch√∂n w√§re es ja, wenn wirklich die Themen von den Menschen angesprochen w√ľrden, die gerade da im Gottesdienst sitzen. Nur traut sich meist niemand, diese laut zu sagen.

Als ich jetzt mehrfach das Experiment gewagt habe, Menschen Zettel und Stifte zu geben, damit sie Worte oder kurze S√§tze f√ľr die F√ľrbitten aufschreiben, entstand wirklich Erstaunliches. Nat√ľrlich sind immer die Themen Frieden und Gesundheit vertreten. Aber es gibt da dann auch Dinge, auf die eine Pfarrperson nicht mal eben so kommt. Die Gemeinde hat mir ¬ędie B√§lle zugespielt¬Ľ.¬†

Und ja, es war etwas aufregend, live aus all den Zetteln F√ľrbitten zu formulieren. Aber die R√ľckmeldungen hinterher sind eindeutig: Diese Gebete hatten etwas mit uns zu tun. Viel mehr als sonst, wo wir einfach einem fremden Gebet zugeh√∂rt haben.

 

Mut in der Kirche

Denn eines sollte ein Gottesdienst ganz sicher nicht sein: eine One-(Wo)Man-Show. Ich hoffe und w√ľnsche mir, dass wir noch mehr solche M√∂glichkeiten finden, bei denen die Gemeinde wirklich aktiv beteiligt ist.¬†

Wie zum Beispiel beim kantonalen Familientag im Zirkus Mugg am 9. Juni 2024, wo hoffentlich ganz viele Kinder mit ihren Familien kommen und gemeinsam einen bewegten kreativen Gottesdienst (mit anschliessendem Rahmenprogramm) gestalten. Jeder der kommt, darf ¬ęseine B√§lle ins Spiel¬Ľ bringen, hat Einfluss darauf, was l√§uft.

Nur Mut! Die Kirche hält das aus!

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