News von der Glarner reformierten Landeskirche

Palmsonntag - Impulse für Leben und Glauben heute

von René Hausheer-Kaufmann
min
14.03.2026
Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche und erinnert an den Einzug von Jesus in Jerusa-lem - ein Ereignis, das von Jubel, Hoffnung und der Vorahnung eines leidvollen Endes steht.

Für viele Christen ist dieser Tag fester Bestandteil ihres gelebten Kirchenjahres, doch seine Bedeutung geht weit über die Festtagsbräuche hinaus. In einer Welt, die von Schnelligkeit, Leistungsdruck und Unsicherheit geprägt ist, kann der Palmsonntag hilfreiche Impulse für den persönlichen Glauben und die Lebensführung geben. Er lädt ein, über Werte wie Bescheidenheit, Frieden, Gemeinschaft und Verantwortung nachzudenken – und diese im Alltag zu leben.

Bescheidenheit - in einer Welt der Selbstdarstellung

Der Einzug von Jesus in Jerusalem mag auf den ersten Blick gar nicht bescheiden und demütig erscheinen: Menschen jubeln Jesus wie einem König zu, während er auf einem Esel durch ein Stadttor in Jerusalem einzieht. Doch genau in dem Umstand, dass Jesus auf einem Esel einzieht und nicht auf einem prächtigen Pferd, wie das mächtige Herrscher zu jener Zeit zu tun pflegten, zeigt sich der Unterschied.

Es geht ihm nicht darum zu herrschen sondern zu dienen, und nicht darum im Mittelpunkt zu stehen, sondern treu seinen von Gott gegebenen Auftrag zu erfüllen. In einer Zeit, in der soziale Medien und gesellschaftlicher Druck oft zu übertriebener Selbstbezogenheit und Selbstdarstellung verleiten, erinnert der Palmsonntag daran, dass Bescheidenheit und Demut zurecht zentrale christliche Werte sind.

Bescheidenheit drückt sich in scheinbar kleinen Gesten aus: zum Beispiel, indem man das Wohl anderer vor das eigene stellt, sich zurücknimmt, um ihnen Raum zu geben, und ihnen mit Aufmerksamkeit begegnet. Dazu kann auch gehören, auf sichtbare Statuszeichen bewusst zu verzichten. Der Palmsonntag lädt dazu ein, über diese Dinge nachzudenken und das richtige, von Gott her gedachte Mass zu finden.

Frieden stiften und Brücken schlagen - in einer gespaltenen Welt

Palmzweige symbolisieren Frieden, weil Jesus nicht als siegreicher Eroberer in Jerusalem einzog, sondern als derjenige, der Frieden stiftet. Am Palmsonntag und besonders am Karfreitag wird sichtbar: Er wollte die Menschen nicht durch Macht oder Gewalt befreien, sondern ihnen helfen, die tiefere Ursache von Gewalt zu überwinden. Dies soll durch eine innere Veränderung geschehen – hin zu einem Menschensein, das von göttlichem Frieden erfüllt ist. Einen Frieden, der nicht nur zwischen Völkern und Reichen gelten soll, sondern vor allem im Alltag: im Zusammenleben der Gesellschaft und in den Familien.

Deshalb suchte Jesus auch bewusst die Nähe zu jenen, die von anderen verachtet oder ausgeschlossen wurden: sei es wegen Suchterkrankungen, einer verpönten Herkunft oder unerwünschten Ansichten. Er zeigte damit, dass wahre Erneuerung im Herzen beginnt und dass niemand unwürdig ist, Teil dieser Verwandlung zu werden.

Am Palmsonntag sind wir eingeladen, über die eigene Haltung in dieser Beziehung nachzusinnen: wie offen und verschlossen man selbst ist, zu wem man versucht Brücken zu schlagen und wo man bestehende Verbindungen eher am abbrechen ist und warum. Gäbe es im eigenen Leben und Glauben wohl Möglichkeiten, vermehrt ein von Frieden und Offenheit geprägtes Zusammenleben zu fördern?

Vorausschauend leben

Jesus weiss, dass sein Weg nach Jerusalem zum Kreuz führen wird. Er hat dies seinen Jüngern vorausgesagt. Trotzdem geht er auf seinem vorgezeichneten Weg weiter, aber  immer so, dass er sein Ende mitbedenkt. Dabei hofft er bis zum Schluss inständig, dass er diesen Weg nicht bis zur letzten Konsequenz gehen muss. Das Gebet, das Jesus am Vorabend von Karfreitag betete, gibt einen Einblick in dieses Hoffen: » Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.« (Matthäusevangelium 20,22).

In diesem Sinne lädt uns der Palmsonntag dazu ein, ganz bewusst zu leben und auch das Schwere, das uns trifft, als Teil des eigenen Lebensweges anzunehmen. Es also nicht zu verdrängen, sondern ihm achtsam und aktiv zu begegnen. Und dies mit der Kraft und der Hoffnung, die uns das Evangelium schenkt: was auch kommen mag, wir sind nicht allein. Gott hat Jesus Kraft gegeben, seinen schweren Weg zu gehen - das gilt auch für uns.

Text und Bild: René Hausheer-Kaufmann, Festtags-Artikel zum Palmsonntag für die Fridolin-Zeitung

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