Rares Saatgut rettet Leben
Das Thema globaler Hunger steht aktuell während drei Jahren im Zentrum der Ökumenischen Kampagne, welche die Landeskirchen jeweils in der Fastenzeit umsetzen: Dafür wird etwa bei Suppentagen, dem Verkauf von Fairtrade-Rosen und Wildblumensamen und natürlich bei Gottesdiensten gesammelt, aber auch Informationsmaterial weitergegeben. 2026 liegt der Fokus auf dem Erhalt von (rarem) Saatgut weltweit.
Ein brisantes Thema, da Kleinbauern immer mehr verwehrt wird, eigenes Saatgut zu nutzen (also anzubauen, weiterentwickeln, miteinander zu teilen oder zu verkaufen) – Saatgut, das nie bei Konzernen gekauft wurde, sondern immer schon ein lokales Gut war. Das geschieht mittels internationaler Gesetze und Vorschriften, Klauseln in Freihandelsabkommen, Patenten – bis hin zu Strafanzeigen gegen Kleinbauern. Diese mafiösen Machenschaften rufen den Gerechtigkeitssinn, aber auch Widerstand auf den Plan – eindrücklich gezeigt im Film „The Last Seed“ (s.u.) Ein Thema, das auch mit Jugendlichen im Unterricht behandelt werden kann, mithilfe interaktiver Materialen der Kampagne.
Deren Auftakt bildete nun der Einführungsabend, der auch heuer von der Kommission für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (OeME) der reformierten Landeskirche organisiert wurde. Am 20. Januar begrüsste deren Vorsitzende, Pfarrerin Martina Hausheer-Kaufmann das Publikum – übrigens zum letzten Mal vor ihrer Pensionierung im Frühsommer. Nach der Vorstellung des Kampagnenmaterials durch Beat Züger (Beauftragter Missio & Fastenaktion Kanton Glarus) folgte ein informativer Apéro. Die von Susanne Hirschi vom CLARO Laden Glarus dargebotenen Produkte haben nämlich einen direkten Bezug zum Thema – indem dieses Angebot ebenfalls kleinbäuerliche Initiativen unterstützt, die für den Erhalt raren Saatguts etwa in Ländern Lateinamerikas oder Afrikas sorgen. So kann die Konsumentin Einfluss nehmen.
Das gilt aber auch für die Schweiz: Hier hat die Stiftung pro specie rara seit über vierzig Jahren eine wertvolle Pionierarbeit geleistet und Expertise aufgebaut. Der Vortrag der Gründerin Annafried Widmer-Kessler war spannend wie Krimi – sie berichtete vom (weltweiten) Kampf zum Erhalt der genetischen Vielfalt von Nahrungsmittelpflanzen und Tierrassen, oft gegen die Übermacht global agierender Saatgutkonzerne, die auch politisch am längeren Hebel sitzen.
Ausgehend von einer alarmierenden Studie unter US-Präsident Jimmy Carter zur schwindenden Artenvielfalt und bedrohten Ernährungssicherheit 1977 setzen weltweit Bemühungen zu deren Erhalt ein. In der Schweiz wurden durch pro specie rara seit 1982 über 1200 seltene Pflanzensorten und Tierrassen erfasst, vermehrt und somit erhalten. Es sind Enthusiasten, anfangs 17, heute 764 , welche diese Arbeit oft im Verborgenen tun. „Wir suchen weiterhin Menschen, die Saatgut und Setzlinge vermehren und verbreiten“, so der Aufruf der Gründerin. Denn das Thema des globalen Hungers geht auch die Schweiz an: Dies zeigte die grosse Hungersnot in Europa nach Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 mit dem Folge-Jahr ohne Sommer. Wenn herkömmliche Nahrungspflanzen plötzlich ausfallen, ist es wichtig, verschiedene andere in Reserve zu haben. So wurde damals, gerade auch im Glarnerland, die Kartoffel als neue Nahrungsquelle entdeckt. Als weitere Glarner Pionierleistung punkto seltene Sorten erwähnt Widmer-Kessler den Schabziger Blauklee – auch wenn dieser heute ausserhalb des Kantons kultiviert wird. Ungewöhnliches Saatgut, seltene Kartoffelsorten und Ableger von Heilzwiebeln wurden anschliesslich auf Tischen präsentiert und weckten viel Neugier.
Was tun gegen globalen Hunger?
Sich-Informieren und Unterstützen der Fastenaktion der Ökumenischen Kampagne „Wer Saatgut hat, kann Zukunft säen“ (https://sehen-und-handeln.ch/), Film: „The last seed“
Verschiedene Anlässe zur Fastenaktion in den Glarner Kirchgemeinden (aufgeführt auf deren Websites)
Kauf von Produkten, die entsprechende lokale Initiativen unterstützen
Rares Saatgut und Setzlinge kaufen, vermehren oder neue Entdeckungen registrieren lassen (siehe www.prospecierara.ch/); dies ist jedoch nur im kleinen (nicht-kommerziellen) Rahmen möglich.
Rares Saatgut rettet Leben