News von der Glarner reformierten Landeskirche
Lebensmittelhilfe

Teuerung trifft die Ärmsten

von Toni Schürmann
min
28.02.2023
Die Teuerung der vergangenen Monate trifft insbesondere die weniger gut Verdienenden. Hilfsorganisationen wie das «Tischlein Deck dich» in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel verzeichnen eine so hohe Nachfrage, dass Grundnahrungsmittel fehlen. Nun springen eine Stiftung und eine Firma ein.

Seit ├╝ber einem Jahr sp├╝rt auch die Schweiz die weltweite Inflation. Nach mehr als einem Jahrzehnt Stabilit├Ąt stiegen die Konsumentenpreise wieder deutlich an. Gem├Ąss dem Bundesamt f├╝r Statistik belief sich die Teuerung Ende 2022 auf plus 2,8 Prozent, derzeit liegt sie bei 3,3 Prozent.

Wenn teuerungsbedingt die Preise f├╝r Nahrungsmittel und Energie steigen und auch die Krankenkassen f├╝r ihre Leistungen mehr berechnen, kann das Haushaltsbudget schnell einmal kippen. Selbst Arbeitnehmende, die einen Teuerungsausgleich erhielten, haben mit der Inflation zu k├Ąmpfen.

Die Ärmsten spüren den Druck
Bei einem linearen Teuerungsausgleich von beispielsweise 2 Prozent erh├Ąlt jemand mit einem Jahreseinkommen von 100ÔÇÖ000 Franken zus├Ątzlich 2000 Franken. Betr├Ągt der Lohn 20ÔÇÖ000 Franken, sind es gerade noch 400 Franken. F├╝r die Kilowattstunde Strom bezahlen aber alle gleich viel. In der Schweiz geben die ├Ąrmsten 20 Prozent der Bev├Âlkerung 13 Prozent ihres Einkommens f├╝r Nahrungsmittel aus, Durchschnittsverdienende etwa 6 Prozent.

Kein Wunder, dass die Schlangen vor den Lebensmittelm├Ąrkten und -ausgaben der Hilfsorganisationen noch l├Ąnger werden. Vor allem Menschen mit kleinem Lohn sind dem Preisschub stark ausgesetzt. Doch aktuell kann etwa die Hilfsorganisation ┬źTischlein deck dich┬╗ in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel nur wenige Grundnahrungsmittel abgeben. Dies liegt vor allem an den neuen Methoden der Grossverteiler. Diese schreiben die Waren fr├╝her ab und verkaufen sie g├╝nstiger. Das verhindert zwar Foodwaste, reduziert aber auch die Gratisabgabe an die Hilfsorganisationen.

Der Bedarf ist stark gestiegen
Die ┬źSchweizer Tafel┬╗ hat festgestellt, dass gleichzeitig der Bedarf nach Lebensmittelhilfe innert kurzer Zeit stark gestiegen ist. Die Organisation liefert ihre Waren kostenlos an rund 500 soziale Institutionen wie Gassenk├╝chen, Notunterk├╝nfte oder Obdachlosenheime. Im vergangenen Jahr hat sie 6100 Tonnen Lebensmittel und andere Waren vor der Vernichtung gerettet und diese noch einwandfreien Produkte den Bed├╝rftigen zukommen lassen.

┬źAls wir merkten, dass die ÔÇ╣Schweizer TafelÔÇ║ und das ÔÇ╣Tischlein deck dichÔÇ║ nicht mehr gen├╝gend Grundnahrungsmittel zur Verf├╝gung stellen konnten, mussten wir handeln┬╗, erkl├Ąrt Frank Lorenz, Leiter der Offenen Kirche. ┬źWir suchten und fanden in einer Stiftung und einer Firma Geld- und Nahrungsmittelgeberinnen, um mehr Bed├╝rftige zu versorgen.┬╗

Der Einkauf im regul├Ąren Supermarkt sei f├╝r viele zu teuer, best├Ątigt auch Thomas K├╝nzler, Gesch├Ąftsleiter der Genossenschaft Caritas-Markt. Immer mehr Menschen w├╝rden deshalb in Caritas-L├Ąden einkaufen. Im vergangenen Jahr z├Ąhlten die Caritas-M├Ąrkte ├╝ber eine Million Verk├Ąufe, 33 Prozent mehr als im Vorjahr. K├╝nzler spricht von einem ┬źtraurigen Rekord┬╗.

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