News von der Glarner reformierten Landeskirche

Und sie hatten alles gemeinsam

von Pfarrer Immanuel Nufer
min
25.06.2024
Im frühen Christentum wurden die gesellschaftlichen Grenzen überwunden, indem die Gläubigen in Gemeinschaft zusammenfanden. Wie sieht Gemeinschaft heute und in Zukunft aus und kann sie die Rolle der Kirche ändern?

In der Apostelgeschichte wird uns unmittelbar nach dem Bericht √ľber das Pfingstwunder die erste christliche Gemeinde beschrieben. Was vielen Lesenden dabei sofort auff√§llt, ist die innige und solidarische Gemeinschaft, die dort beschrieben wird: ¬ęAlle Glaubenden aber hielten zusammen und hatten alles gemeinsam; G√ľter und Besitz verkauften sie und gaben von dem Erl√∂s jedem so viel, wie er n√∂tig hatte.¬Ľ Friedrich Engels, der Mitbegr√ľnder des Kommunismus, sah hier die Forderungen des Kommunismus verwirklicht, n√§mlich die Abschaffung des Privateigentums. Es ist nicht erstaunlich, dass man auf eine solche Auslegung dieser Bibelstelle kommt, ist doch der Text sehr zugespitzt. Lesen wir sie jedoch im Kontext der restlichen Kapitel der Apostelgeschichte und der Bibel als Ganzes, dann wird schnell klar, dass hier keine Rede von der Abschaffung des Privateigentums sein kann. Niemand wurde gezwungen, etwas zu geben. Aber es war offensichtlich eine innige, grossz√ľgige solidarische Gemeinschaft. Die Gemeindemitglieder gaben freiwillig und gerne. Niemand musste Not leiden.

Diese Beschreibung war massgebend f√ľr die weitere Entwicklung und Ausbreitung der Kirche. Die Gemeinschaft der Christen war etwas Neuartiges in der r√∂misch-antiken Kultur. Im r√∂mischen Reich gab es klare Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Hilfe in Notsituationen erfuhr man fast ausschliesslich in der eigenen Familie. Hatte man keine, war man auf sich allein gestellt. Der Staat kannte noch keine sozialen Einrichtungen.¬†

Ganz anders war da die Gemeinschaft der Christen. Hier versammelten sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Die Herkunft spielte keine Rolle. Was die Christen verband, war ihr gemeinsamer Glaube an Jesus Christus. Solidarit√§t wurde √ľber Familien- und Standesgrenzen hinweg gelehrt und gelebt.

Es ist nicht erstaunlich, dass nur schon die Art der Gemeinschaft selbst das Interesse der Menschen ausserhalb der Kirche weckte und die Christen trotz vieler falscher Anschuldigungen immer mehr an Ansehen gewannen. Obwohl Christen durch die staatliche Macht oft benachteiligt wurden und es lokal auch immer wieder grössere Verfolgungswellen gab, bei denen viele Christen ihr Leben liessen, wuchs die Kirche stetig und stark. Die Kirche war attraktiv. Sie bot den Menschen einen Glauben und eine Gemeinschaft, welche die Menschen im römischen Reich so nicht kannten.

Ich hoffe, dass auch unsere Kirche wieder zu einer Gemeinschaft wird, die attraktiv und anziehend wirkt, weil sie den Menschen etwas bietet, das sie so in der Welt nicht finden. Dass bald wieder eine Zeit kommen wird, in welcher die Menschen auf solidarische Gemeinschaften angewiesen sein werden, weil der Staat mit den sozialen Problemen √ľberfordert sein wird, halte ich f√ľr sehr wahrscheinlich. Aber die Kirche hat noch mehr zu bieten. Sie hat eine einzigartige Botschaft, welche die Herzen der Menschen grundlegend zu ver√§ndern vermag. Letztlich war es der Glaube an Jesus Christus, der den Christen in der fr√ľhen Kirche den Mut, die Kraft und die Liebe gab, diese solidarische Gemeinschaft trotz aller Widerw√§rtigkeiten fr√∂hlich zu leben.¬†

Unsere Empfehlungen

Lichtspiel im Uschenriet

Lichtspiel im Uschenriet

Ab 8 Uhr morgens war die Hotline geschaltet, ob das Wetter wohl mitspielen würde und der ökumenische Gottesdienst am 16. Juni wie geplant unter freiem Himmel beim Restaurant Uschenriet stattfinden könnte.