News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: Die Herausforderung des Predigens

von Ruedi Hofer
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03.07.2026
Wie hiess doch vor vielen Jahren der Werbeslogan unsere Kirche? „Selber denken – die Reformierten“. Pfarrer Ruedi Hofer denkt darüber nach, was das im Zeitalter von KI bedeutet.

Eine Kirchenrätin der Evange­lischen Landeskirche in Württemberg, Evelina Volkmann, ist besorgt, weil sich Pfarrpersonen mithilfe künstlicher Intelli­genz (KI) zu jedem Bibeltext eine fertige Predigt erstellen lassen können, anstatt sich viele Stunden auf die Sonntagspredigt vorzubereiten. Die von einer KI erstell­ten Texte seien oft oberflächlich, theologisch bedenklich und unpersönlich, sagte Volkmann dem Evangelischen Pressedienst (Quelle: www.ekd.de). Und sie stellt folgende Frage an Predigende: „Wie kann ich glaubwürdig ei­ner Gemeinde gegenübertreten, wenn ich ihr meine eigene theologische Refle­xion schuldig bleibe?“

Von einem Pfarrer wurde mir berichtet, dass er eine Predigt für den Gottesdienst mit KI schreiben liess und dazu noch eine eigene Predigt verfasste. Dann präsentierte er die beiden Predigten der Gemeinde und fragte sie, ob sie erkennen würden, welche Predigt von ihm selbst und welche von KI nach von ihm vorgegebenen Stichworten verfasst worden sei.
Das war interessant für die Zuhörer und Zuhörerinnen darüber nachzudenken, welche Predigt echt und welche künstlich erschaffen war.
Ich finde die Idee dieses Pfarrers originell. Er hat dabei ja auch eine eigene Predigt verfasst. Bedenklich aber wäre, wenn eine Pfarrperson ihre Sonntagspredigt mit KI erstellen lassen würde. Es wäre wohl eine oberflächliche Ansprache von der Kanzel mit allgemeinen Aussagen und ohne persönlichen Bezug. Ich finde es aber wichtig, dass man den Prediger oder die Predigerin spürt bei der Verkündigung. Man sollte merken, dass es von Herzen kommt, was sie oder er vorträgt. Denn so kommt die Botschaft auch an.

Bei Pfarrpersonen kann es gewiss einmal vorkommen, dass sie nicht wissen, was sie predigen sollen oder ihnen wegen einer unvorhergesehenen Abdankung die Zeit fehlt. Ich erinnere mich an einen Ausbildungspfarrer in meinem Lernvikariat. Er erzählte, dass ihm einmal bei der Vorbereitung einer Predigt nichts eingefallen sei. Da habe er eine eigene, alte Predigt genommen und der versammelten Gemeinde am Sonntag gesagt, er halte nun infolge fehlender Ideen eine alte Predigt. Vielleicht waren die Gottesdienstbesuchenden nicht besonders erfreut darüber, aber der Pfarrer war ehrlich, seine Predigt authentisch, es war seine eigene und keine fremde.

Sie, liebe Leserin und lieber Leser, merken wahrscheinlich beim Hören einer Predigt oder sonst einer Rede, ob sie wirklich von der vortragenden Person selbst verfasst ist oder nicht. Wie hiess doch vor vielen Jahren der Werbeslogan unsere Kirche? „Selber denken – die Reformierten“. Heutzutage passiert eher dies: Statt selber zu denken wird zu oft selber kopiert und mit KI etwas generiert.

Denkpause zum 4. Juli 2026 von Pfarrer Ruedi Hofer (Ref. Kirchgemeinde Glarus-Nord)

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