News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause zum Flüchtlingssonntag, 21. Juni 2026

von Almut Neumann
min
20.06.2026
Es ist kaum vorstellbar: Mehr als 120 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen, sagt der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen.

Von Almut Neumann 

Die fünf grössten Herkunftsländer sind Afghanistan, Syrien, Venezuela, Ukraine, Sudan. Die grössten Aufnahmeländer sind die Türkei mit 3,5 Millionen, Deutschland mit 2 Millionen; die Schweiz hat 235.000 Geflüchtete aufgenommen.
Der Fremde, der Flüchtling – das ist ein altes Problem. Die Bibel ist voll von Geschichten über Menschen auf der Flucht. Und Gott stellt sich immer wieder auf die Seite der Schutzlosen: «Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten; du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremde gewesen im Land Ägypten.» Gott erinnert sein Volk daran: Vergesst nicht, dass ihr selbst einmal Fremde wart.                                    

Jesus identifiziert sich sogar mit den Bedürftigen: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Das bedeutet ein Umdenken, bedeutet eine radikale Haltung der Menschlichkeit. Sie besteht darin, im Gegenüber nicht bloss einen Flüchtling zu sehen oder auch nur einen Muslim, eine Jüdin oder einen Obdachlosen oder eine Süchtige, sondern zu allererst den Menschen in all seiner Verletzlichkeit.                                                                                                                                 

Nicht so einfach. Was uns im Wege steht sind unsere Denkgewohnheiten, die uns so selbstverständlich erscheinen, dass wir kaum je darüber nachdenken. Nehmen wir zum Beispiel die Vorstellung von Grenzen: da wären nationale Grenzen zwischen Ländern. Will ich von einem dieser Länder ins andere reisen, brauche ich einen Ausweis, manchmal sogar einen Pass. Waren werden kontrolliert, Zölle erhoben – alles scheinbar selbstverständlich. Sobald ich in einem anderen Land ankomme, zeigen sich Grenzen besonders im Alltag: andere Währungen, andere Essgewohnheiten, andere Umgangsformen, andere Gesetze. Wir kommen mit einem Pass überall auf der Welt zurecht. Doch was bedeutet es, mit einem Pass aus Gambia, Afghanistan oder Haiti reisen zu wollen? Wie fühlt es sich an, wenn Grenzen zu möglichen Sackgassen werden – wenn Freiheit zur Frage des Geburtsortes wird?                                                                                           

Grenzen beschränken nicht nur Bewegungen. Sie prägen unser Denken. Es gibt Altersgrenzen, ethnische und religiöse Trennlinien, Geschlechtergrenzen, wirtschaftliche Schranken. Wir schaffen Kategorien, oft aus dem Bedürfnis nach Ordnung oder Sicherheit. Doch diese Einteilungen gehen nicht selten mit Bewertungen, Vorurteilen und Ungleichbehandlungen einher. Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sprache machen uns kulturell verschieden – aber nicht grundsätzlich anders.  Wie viele Grenzen hat Jesus nicht schon durch sein Leben, durch seine Lehren, durch sein Wirken verschoben. Der Flüchtlingssonntag lädt uns dazu ein, diesen Aspekt des Evangeliums deutlicher hervorzuheben.       

Geniessen Sie an diesem Wochenende die Feste vor Ort: das Glarner Chorfestival, das Glarner Stadtfest und natürlich gibt es noch die Fussball WM. Vielleicht ergeben sich dabei Gespräche, hoffentlich mit geduldiger Toleranz und mit echter innerer Nachsicht.                                                                                    

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit. Ihre Almut Neumann

Bild: Pixafree

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