News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: Lebendige Steine

von Manja Pietzcker
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07.06.2026
Gerade haben wir gefeiert. Kirchenjubiläum. Gemeindejubiläum. Die Kinder spielten ein Theaterstück darüber, wie man wohl im Mittelalter eine Kirche gebaut hat. Aus Holz und Steinen. Manche fragten, wie es eigentlich war, als aus vier Gemeinden eine wurde.

Von Pfarrerin Manja Pietzcker

Die Kleinen sah man einfach mit unbekümmerter Freude am Werk, die Grossen schauten teilweise auch nach 20 Jahren noch mit einer Träne zurück. Dabei ist Kirche bauen wohl vor allem das, was die Grossen in den letzten 20 Jahren hautnah erlebt haben: mit allen Höhen und Tiefen, mit Freude, Begeisterung, aber auch Skepsis und Schmerz. Denn Kirche ist mehr als die steinernen Gebäude, in denen wir uns gelegentlich zum Gottesdienst treffen. Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen. Über Jesus steht im 1. Petrusbrief geschrieben:

„Er ist der lebendige Stein,

der von den Menschen verworfen wurde.

Aber bei Gott ist er erwählt und kostbar.

Lasst euch auch selbst als lebendige Steine

zur Gemeinde aufbauen.

Sie ist das Haus, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.“

Gerade haben wir Pfingsten gefeiert. Den Geburtstag der Kirche, denn zu Pfingsten kam der Heilige Geist auf die Jünger und von da an sind sie losgezogen in alle Welt und haben Kirche gebaut. Und zwar, wie in der Bibel erwähnt, aus lebendigen Steinen: aus den Menschen, die jeweils da waren. Sie haben Gemeinden gegründet.

Und lebendige Steine kann man nun mal nicht ganz so einfach behauen und in Form bringen, wie die Kinder das mit den Theatersteinen gespielt haben. Lebendige Steine, Menschen, haben Sehnsüchte, Wünsche, Bedürfnisse und eine Geschichte. Geschichte, die nicht immer nur leicht ist, die auch nicht immer mit der Geschichte der anderen zusammenpasst. Und trotzdem soll, so heisst es im Petrusbrief, daraus EINE Gemeinde werden. Ein Haus, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.

Ich glaube, im Gegensatz zu einer steinernen Mauer, wo wir sehr darauf achten, dass sie keine Lücken und Löcher hat, ist es für die lebendige Kirche gerade wichtig, dass sie Lücken und Zwischenräume hat. Räume, in denen neben all den menschlichen Geschichten auch der Geist Gottes Platz hat. Wo er atmen kann - und damit auch uns seinen Atem schenken kann.

Nicht alles kann man vorausplanen, nicht alles gelingt auf Anhieb - bei einer steinernen Kirche nicht und bei einer Kirche aus lebendigen Steinen erst recht nicht.

Aber es lohnt sich. Das konnten wir in Betschwanden erleben. Aus allen Kirchdörfern waren sie da. Haben mitgefeiert, mitgebaut. Und auch, wenn sich hie und da noch „Narbenschmerzen“ melden – weil es vor 20 Jahren Wunden gab, wo sich Liebgewordenes verändert hatte oder verloren ging: Heute überwiegt die Freude daran, dass auch ganz viel Neues gedeihen durfte. Daran, wie unsere Gemeinde in und mit Jesus Christus zu einer lebendigen Kirche weitergewachsen ist. Ein solides Gebäude, mit Zwischenräumen, wo der Geist Gottes weht, atmet und uns inspiriert. So wird auch von Aussen sichtbar, dass eine lebendige Gemeinschaft von Christen etwas zu sagen hat. Dass sie zum Leben in unseren Dörfern Wichtiges beiträgt: Lebensfreude, Demut und Dankbarkeit – und den Blick für die Anderen öffnet. Ich hoffe sehr, dass unsere altehrwürdige Betschwandener Kirche noch lange steht. Aber noch mehr hoffe ich, dass die Gemeinschaft, die sich zwischen ihren Mauern versammelt, im ganzen Grosstal für das steht, wozu Jesus uns beauftragt hat: die Liebe unter den Menschen zu verkünden.

Bild: zvg

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