News von der Glarner reformierten Landeskirche
Filmfestival

Eine Pfarrerin im Jury-Sessel von Venedig

von Stefan Degen
min
17.09.2026
Pascale Huber, Pfarrerin und Geschäftsführerin der Reformierten Medien, präsidierte die Interfilm-Jury am Filmfestival von Venedig. Ausgezeichnet wurde das Drama «Un bon petit soldat» über eine Personalchefin zwischen Fürsorge und Profit in der modernen Arbeitswelt.

«Der Film hält uns den Spiegel vor, ohne einfache Lösungen zu liefern», sagt Pascale Huber. Die Schweizer Pfarrerin präsidierte die Interfilm-Jury am Filmfestival in Venedig. Interfilm, die internationale kirchliche Filmorganisation, zeichnete «Un bon petit soldat» von Stéphane Brizé mit dem 15. Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs aus. Der Preis will auf Filme aufmerksam machen, die künstlerisch überzeugen und Verständnis, Respekt und Frieden zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion fördern.

Via Locarno und Biel nach Venedig

Pascale Huber ist Geschäftsführerin der Reformierten Medien in Zürich. Zum Filmfestival in Venedig kam sie über Umwege. Die Reformierten Medien seien Kollektivmitglied bei Interfilm, sagt sie. «2021 war ich bereits in der ökumenischen Jury am Filmfestival in Locarno und 2023 am Festival du Film Français d'Helvétie in Biel.» So habe Interfilm sie auch für die Jury in Venedig angefragt. «Es war mir eine grosse Ehre.» Das Filmfestival habe sie überwältigt, schwärmt Huber. «Un bon petit soldat» sei ein richtig guter Film, er biete viel Stoff zum Reflektieren. «Ich bin beim Zuschauen nicht eine Minute abgeschweift.»

 

 

Protagonistin des Films ist Carla Moretti, gespielt von Alba Rohrwacher. Die 43-Jährige hat Karriere gemacht – oft auf Kosten ihres Familienlebens. Ihre Arbeit nimmt sie so sehr in Beschlag, dass selbst Privates am Arbeitsplatz stattfindet: Mit ihrem Sohn kommuniziert sie ausschliesslich per Handy. Im Beruf hat sie eigentlich einen menschenfreundlichen Auftrag. Als Personalchefin eines Grossunternehmens soll sie dafür sorgen, dass es den Mitarbeitenden gut geht. Gleichzeitig erwartet ihr Chef, dass die Leistung stimmt. Carla stösst auf einen Fall von toxischem Management – und gerät selbst zunehmend unter Druck.

Christliches Gewissen gefordert

In «Un bon petit soldat» stehen religiöse Themen nicht im Zentrum. Aus christlicher Sicht erinnere der Film aber daran, dass menschenwürdiges Leben gesellschaftliche Voraussetzungen brauche, so die Interfilm-Jury um Pascale Huber. «Es gilt, dort hinzuschauen, wo Menschen ihres Wertes beraubt werden, und dort einzugreifen, wo ihre Würde verletzt wird.» Wenn nur noch Leistung und Ergebnis zählten, wirke diese Wertordnung zerstörend. Der Film halte einer Unternehmenskultur den Spiegel vor, die «Inklusion, Menschlichkeit und Freude» predige, aber gleichzeitig Wettbewerb, Produktivität und Profit belohne, heisst es in der Jurybegründung. Das sei «eine Herausforderung für unser christliches Gewissen».

Der kirchliche Preis blieb in Venedig nicht die einzige Ehrung für «Un bon petit soldat». Die Jury des offiziellen Wettbewerbs zeichnete Stéphane Brizé und seine Co-Autoren Coralie Amédéo und Olivier Gorce zusätzlich für das beste Drehbuch aus.

Ein Film über Personalführung, Leistungsdruck und Firmenkultur erhielt damit gleich von zwei Jurys Aufmerksamkeit. Pascale Huber begründet die Wahl der Jury mit einer Frage, die weit über die Arbeitswelt hinausweist: Wie gestalten wir eine Gesellschaft, die ein Zusammenleben in Würde ermöglicht?

 

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