News von der Glarner reformierten Landeskirche

OeME-Abend: Können Religionen Frieden?

von Swantje Kammerecker
min
17.09.2026
Was können wir Heranwachsenden in einer von Gewalt geprägten Welt mitgeben? Beispiele der christlichen Friedensarbeit aus schwer betroffenen Ländern wie Nigeria und Indonesien ermutigen, wie Mission 21-Referent Christian Weber am 15. September in Glarus zeigte. Und drei einfache Prinzipien helfen.

«Können Religionen Frieden?» - Durchaus provakant ist der Titel der von der OeME-Kommission der reformierten Landeskirche veranstalteten Herbsttagung. Denn wie Referent Christian Weber gleich am Anfang klarstellte, haben die Religionen weltweit ein Gewaltproblem, die christliche eingeschlossen.

Historische und aktuelle Beispiele gibt es leider genug. Die zum Mitdiskutieren aufgeforderte Runde im Kirchgemeindehaus Glarus stellte sich der Frage, wieso gerade religiös motivierte oder unterfütterte Auseinandersetzungen so heftig, auf Leben und Tod geführt werden. Paradox erscheint, dass eigentlich in vielen religiösen und heiligen Schriften Frieden einen hohen Stellenwert hat. Was also ist da passiert? Religion wurde und wird immer noch, insbesondere von menschenverachtenden politischen Systemen, als Brandbeschleuniger eingesetzt, in dem der Andere nicht nur als der Böse, sondern «des Teufels», «aus der Hölle» benannt wird. Das typische Muster dabei: Den Gegner dämonisieren – die eigene Identität verhärten und sich abschotten – Themen dramatisieren. «Funktioniert zuverlässig», so Weber. Eine Katechetin bestätigt dies, «man kommt immer schwieriger dagegen an, wenn bereits über Social Media polarisiert und diffamiert wird, mit Lügen und Halbwahrheiten.» Was also tun?

Eine interessante Beobachtung: Vorurteile und Konflikte zeigen sich vermehrt, wo eigentlich unterschiedliche kulturelle und religiöse Gruppen wenig Kontakt haben. Friedensarbeit, so auch bei Mission 21, setzt daher genau an diesem Punkt an. Den genannten drei «Eskalationsstufen»  stellt Weber folgendes Modell entgegen: Einander begegnen – sich selbst und den anderen besser verstehen – sich verbünden (z.B. für ein gemeinsames Projekt). Der letzte Schritt sei wichtig, um ins Handeln zu kommen und die Ermutigung durch sichtbare Erfolge zu erleben. Er stellt solche Projekte vor: In Indonesien werden Weekends für muslimische und christliche Studierende angeboten, die in gemeinsame Aktionen münden. Aus Nigeria, dem schwer durch den radikalislamischen Boko Haram-Terror traumatisierten Land, hat Weber unlängst eine Delegation der christlichen Friedenskirche EYN in Basel empfangen – 11 Personen, davon 6 Muslime. «Von ihnen lernen wir, wie es praktisch funktioniert», so Weber. Er berichtet von einer Aktion zum Gedenken an in Nigeria verschwundene Menschen, deren Namen auf Armbändern am Basler Bahnhof an Passanten verteilt wurden. Tausende Menschen starben 2015 in Nigeria, ganze Dörfer verwaisten, viele der 300 aus einer Sekundarschule entführten Mädchen werden bis heute vermisst. «Nebst Geld für den Wiederaufbau sind das Erinnern, die Solidarität wichtig.» In Basel empfängt Weber etwa zwei Gruppen oder Religionsklassen pro Woche, teils macht er auch Besuche in Kirchgemeinden, zeigt Filme, diskutiert, macht praktische Übungen mit den Jugendlichen. Dabei entdecken diese auch Methoden gewaltlosen Widerstands – wie sie  Jesus praktizierte und empfahl. «Schliesslich geht es immer darum, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Und denen, die anderen die Menschenwürde absprechen wollen, standzuhalten», so fasst es eine Besucherin am Schluss zusammen. Mit konkreten Anregungen für Bildung und Unterricht sowie einem feinen, durch den Claro-Laden Glarus angebotenen Apéro, schloss der Abend. Als Dank erhielt der engagierte Referent aus Basel noch eine Wegzehrung – ein Birnbrot und eine Trinkflasche, überreicht von den Organisatoren Pfarrer Bert Missal (OeME-Beauftragter) und Susanna Graf (Kantonale Kirchenrätin Ressort Gesellschaft & Oekumene).

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