Feurige Worte und Klänge der Sehnsucht
Vor rund zwanzig Jahren gelangte unsere Pfarrerin Almut Neumann mit der Idee an mich, eine spirituelle Feier am Vorabend des Pfingstsonntags durchzuführen. Ein meditativer Wechsel von Wort und Musik sollte es werden. Almut rezitierte Texte über «Feuer», «Flammen», «Wind», «Fremdsprachen», und ich improvisierte auf der Orgel wild darüber. Die Stimmung an jenem Abend war einzigartig, und wir wussten: Das muss zu einem festen Ritual im Mitlödner Kirchenleben werden. Die Mitlödner Pfingstnacht war geboren.
Tango, Operette, Schlager, Chansons, Musicals…
In den Folgejahren nahmen wir die Musik als Ausgangspunkt für Gedanken, Geschichten, Bibeltexte und Gebete. Meistens Musik, die Sehnsüchte ausdrückt oder eng mit Sehnsüchten verbunden ist, Sehnsüchten nach Glückseligkeit, Geborgenheit und Wohlergehen. Und immer erklang Musik, die wir in einem Sonntagsgottesdienst kaum je zu hören kriegen: Tango, Operette, Schlager, Chansons, Musicals, Frank Sinatra…
Heuer: «Alles Walzer»
Dieses Jahr widmen wir die Pfingstnacht dem Wiener Walzer, dem Sinnbild für das unbeschwerte aristokratische Lebensgefühl in der Donaumonarchie. Obwohl die Monarchie Österreichs schon vor über hundert Jahren ihr Ende gefunden hat und der Wiener Walzer fast vergessen ging und im Dritten Reich politisch missbraucht wurde: Der ewige Dreivierteltakt lebt weiter – und mit ihm diverse Polkas, andere Tänze, bisweilen Hand in Hand mit Operettenmelodien.
Die Geigerin Ryoko Suguri und ich präsentieren dabei die schönsten Melodien aus Wien: Ein kleines, knapp einstündiges Neujahrskonzert zu Pfingsten, zu dem Pfarrerin Almut Neumann Texte aus der Bibel und Geschichten und Gedanken über den ewigwährenden Tanz liest. Der anschliessende Imbiss mit interessanten Gesprächen ist auch schon längst ein Ritual.
Feurige Worte und Klänge der Sehnsucht