Spring nicht ins kalte Wasser - spring übers Feuer!
Im Urlaub gerieten wir in ein „Mittelalterfestival“. An einem Abend war im Schlossgarten ein „Feuerspektakel“ angesagt: Eine lange Reihe Menschen fand sich vor dem Tor ein und wartete (un)geduldig, um im Dunkeln Platz nehmen zu dürfen. Und dann begann das Spiel mit dem Feuer: elegant, gewagt, verblüffend, artistisch, funkensprühend. Am Ende gab es einen Feuerteppich aus miteinander verbundenen Fackeln, der in allen erdenklichen Formen bewegt wurde. Das Publikum war begeistert, lang dauerte der Applaus. Die Hitze der Flammen spiegelte sich in den Gesichtern.
Kürzlich sass ich in einem Wartezimmer, in dem auf einem überdimensionalen Bildschirm ein ewiges Kaminfeuer „brannte“ - immer wieder die gleichen Flammen: kühl, glatt, sauber, kalt.
Feuer fasziniert - offenbar so sehr, dass wir es sogar in die blanken Räume von Praxen holen wollen. Feuer spendet Wärme und Licht, man kann es riechen und es hinterlässt Asche. Feuer verändert: es transformiert.
Die Kraft der Erneuerung
Diese transformierende Kraft findet sich in verschiedensten Ritualen: Junge Leute oder frisch vertraute Paare springen durchs Feuer. Zu Walpurgis werden in vielen Gegenden Feuer entzündet, oft auf dem Berg. Auch das Fridlisfüür am 6. März reiht sich in diesen Reigen von Festen ein, in denen der alte Winter verbrannt und vertrieben wird. Die alten Geister, Lasten und Sünden werden zu Licht, Wärme und Asche. Es soll Raum und Hoffnung für Neues geschaffen werden. Fruchtbarkeit, Frühling und göttliches Wirken mögen Raum bekommen, wenn alte Lasten in den Flammen im Rauch aufgehen.
In der christlichen Kunst ist die Flamme oft ein Symbol für den Heiligen Geist, der den Menschen geschenkt wurde. Das ist die zentrale Aussage des Pfingstfestes. Deshalb findet man auf Pfingstbildern oft kleine Feuerzungen, die über den Köpfen der Apostel und der Jungfrau Maria schweben. Es symbolisiert die Begeisterung, die Gabe der Sprachen und die Erleuchtung durch den Heiligen Geist.
Wenn man sich die drei grossen christlichen Feste vor Augen führt: Weihnachten, Ostern und Pfingsten, so taucht auch immer wieder das Feuer auf: klein, als Kerze an der Krippe. In Gestalt des Osterfeuers am Ostersonntag beendet es die dunkle Passions(=Leidens)-zeit und leuchtet in Gestalt der Osterkerze durch den Rest des Jahres. Zu Pfingsten symbolisiert es den Geist, „den Tröster“, der uns Menschen gesandt ist, nachdem Christus auferstanden und nicht mehr leiblich auf dieser Erde ist.
Und wie die Osterkerze leuchtet, kann auch eine Kerze auf dem Esstisch der Familie, ganz im Alltag, erinnern: Gottes Geist ist immer und überall da.
Jetzt weist mich doch der Feuerwehrmann der Familie darauf hin, ich solle dringend darauf hinweisen, die Kerze zu löschen, wenn die Menschen den Raum verlassen. Die Feuerwehr hätte schon genug zu tun.
Naturgewalt Feuer
Ja, Feuer ist auch gefährlich, es kann eine vernichtende Kraft entfalten. Vielleicht sind Feuershows ja deshalb so faszinierend, weil wir schwachen Menschen dort mit einer so gewaltigen Kraft spielen. Alles Wesentliche hat auch eine gefährliche Seite, sonst ist es irrelevant. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein junges Paar anlässlich der Hochzeit Hand in Hand über einen Flachbildschirm gumpt? - Das wäre höchstens eine Clownsnummer ….
Die Flamme des Heiligen Geistes zu Pfingsten ruft uns, dem göttlichen Feuer alles Alte und Schwere zu überlassen und mutig durch die Flammen ins pralle Leben zu springen. Wer sich von diesem Feuer faszinieren lässt, gerät in die Gefahr, dass sich in seinem Leben einiges mächtig verändert. Sich auf den Geist von Pfingsten einzulassen, ist ein Feuersprung. Man kann sich alternativ auch mit der App „Kaminfeuer“ begnügen, zumindest solang der Akku hält: sauber, glatt, kalt und folgenlos….
Wenn Sie jetzt Lust auf wirkliches Feuer und Spiel mit echten Flammen bekommen haben: am 29. und 30. Mai 2026 findet im Rahmen des „Mittelalterfestes zum Gemeindejubiläum“ rund um die Kirche in Betschwanden jeweils 21 Uhr eine Feuershow statt (und natürlich schaut der Familienfeuerwehrmann, dass alles sicher ist). Lassen Sie sich einladen und faszinieren.
Ein gesegnetes Pfingstfest, wünscht Franuš
ICH BIN, DER ICH BIN! - Wenn Gott durchs Feuer spricht (Von Pfarrerin Manja Pietzcker)
Ich bin, der ich bin! Mehr sagt dir das Feuer nicht. Und doch ist damit alles gesagt.
So hat es Mose am brennenden Dornbusch erlebt. Als er den Namen Gottes erfahren wollte. Als er wissen wollte, wer ihn da auf so eine besondere Mission schicken will. Ins Ungewisse. Auf einen Weg, den er sich selbst nicht ausgesucht hat. Am liebsten wäre es ihm vermutlich gewesen, wenn er da hätte einen Rückzieher machen können. Konnte er aber nicht. Das ist genau wie mit dem Holz, das du ins brennende Feuer steckst: Wenn du es einmal lange genug hineingehalten hast, wird es Feuer fangen. Wenn du lange und dicht genug an der Glut einer Idee dran warst, wirst DU Feuer fangen und auch dann ist es unmöglich, einen Rückzieher zu machen.
Und dann bleibt dir nur eine Chance: Dich zu vergewissern, wofür du da die „brennenden Kohlen“ aus dem Feuer holen sollst. Gott sagt: Ich bin, der ich bin. Ich bin der, der schon immer da war, der immer da ist und der auch immer da sein wird. Ich bin einfach DA!
Egal was passiert. Egal, was die Leute erzählen und philosophieren. Der eine behauptet, Gott sei tot, der nächste sucht ihn auf dem Mond und findet ihn nicht. Gott ist das egal. Er ist da. In der Glut der Begeisterung, die wir zu Pfingsten feiern. Im Feuereifer, mit dem wir für seine Sache brennen: Nämlich den Menschen nahezubringen, was eigentlich schon immer klar war: GOTT ist DA!
Spring nicht ins kalte Wasser - spring übers Feuer!