Denkpause: Ein Sonntag im Frühling
Es gibt diese Sonntage im Frühling – du wachst auf, die Sonne schiebt sich durch die Ritzen im Rollladen, irgendwo zwitschert ein Vogel, und in der Küche riecht der Kaffee schon nach Leben. Es ist so ein Tag, an dem alles anders ist als unter der Woche. Und selbst wenn du gar nichts Besonderes geplant hast, weisst du: Heute ist gut. Heute ist Hoffnung. Heute ist ein geschenkter Tag. Heute ist Sonntag.
In der Bibel steht nicht umsonst, dass Gott nach dem Schöpfungswerk am siebten Tag ruhte. Dieser eine Satz ist so kraftvoll, weil er uns daran erinnert: Auch du darfst ruhen. Auch du darfst durchatmen, neu anfangen, dich freuen am Leben – und dich freuen an Gott.
„Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“ So steht es ganz am Anfang in der Bibel in der Schöpfungsgeschichte.
Sogar zum Gebot wird das Ruhen erhoben. „Du sollst den Feiertag heiligen,“ lautet das 3. Gebot.
Der Sonntag ist mehr als ein freier Tag. Er ist ein Geschenk. Und wenn dann noch der Frühling dazukommt – dieses Weichzeichnerlicht, das sich über alles legt, dieses warme Flirren in der Luft – dann begreifen wir: Das ist Leben pur. Gott hat sich wirklich etwas gedacht, als er den Menschen die Ruhe schenkte. Und er hat sich etwas dabei gedacht, immer wieder neu, seine Erde aus dem Winterschlaf zu wecken. Davon zehren wir in unseren Breitengraden, in denen es den deutlichen Wechsel der Jahreszeiten ja gibt. Aufblühen, Lebendig-Sein, Neu-Werden und Ruhen. Das klingt mehr nach einem Lebenselixir als nach einem Gesetz. Das fühlte auch Jesus.
Er selbst hat das immer wieder deutlich gemacht. Die Ruhe war nicht als Gesetz gedacht, das Menschen belastet, sondern als Befreiung. Eine Einladung zur Freiheit. Zur Freude. Zur Heilung.
„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ Das sagt er als seine Jünger von Gesetzestreuen dabei erwischt werden, dass sie am Sabbat ihren Hunger stillen, in dem sie Korn ernten.
Was würde passieren, wenn du den Sonntag nicht nur als Pause siehst, sondern als Einladung? Stell dir vor: Gott deckt dir einen Tisch unter freiem Himmel. Die Vögel singen, der Apfelbaum blüht, du darfst einfach da sein. Nicht leisten. Nicht beeindrucken. Nicht funktionieren. Nur sein. Und vielleicht ist das sogar der Moment, in dem du ihn am deutlichsten spürst.
Ein älterer Herr erzählte mir einmal, wie er nach seiner Pensionierung anfing, jeden Sonntagmorgen barfuss durch den Garten zu gehen. Frühling, Sommer, Herbst, sogar im Winter – barfuss. Er sagte: „Das ist mein Weg, mich daran zu erinnern, dass ich lebe. Dass ich verbunden bin mit allem, was Gott geschaffen hat.“ Ich fand das ziemlich schräg – und gleichzeitig sehr stark. Vielleicht brauchen wir alle solche Rituale, die uns rausreissen aus dem Stressdenken und reinholen in die Gegenwart Gottes.
Der Frühling bringt eine zweite Botschaft mit: Alles beginnt neu. Selbst, was vertrocknet schien, treibt wieder aus. Vielleicht ist dein Leben gerade schwer. Vielleicht bist du erschöpft, enttäuscht oder einfach nur leer. Dann halte dich an diesen Satz aus dem Propheten Jesaja:
„Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“
Denkpause zum 25. April 2026, Pfarrerin Dagmar Doll, Glarus
Denkpause: Ein Sonntag im Frühling