Editorial: Die Erde - Gott arbeitet im Verborgenen
Von Pfarrer Sebastian Doll
Vielleicht hebt man sogar vorsichtig die Erde an und schaut nach, ob der Samen überhaupt noch da ist. Ein sicherer Weg, damit garantiert nichts wächst. Das kennen wir nicht nur aus dem Garten.
Wir möchten am liebsten überall sofort Ergebnisse sehen – egal, ob im Beruf, der Familie, der Kirche oder im Glauben.
Doch Gott arbeitet oft unter der Oberfläche. Dort, wo niemand etwas sieht. Vielleicht wächst dort gerade Vertrauen oder/und eine alte Verletzung heilt. Vielleicht entsteht dort grade Hoffnung oder/und ein neuer Anfang beginnt - auch wenn wir noch gar nichts erkennen. Das Reich Gottes wächst manchmal wie Radieschen und manchmal eher wie ein Walnussbaum. Und Geduld gehört zu Gottes Lieblingswerkzeugen.
Jesus sagt: «Die Erde bringt Frucht von selbst.» Das ist eine Zumutung für die Menschen, die gerne alles kontrollieren. Wir leben schliesslich in einer Welt, in der alles planbar und möglichst schnell erledigt sein soll. Aber das Wichtigste im Leben lässt sich nicht beschleunigen.
Liebe, Vertrauen und Freundschaften wachsen langsam. Kinder sowieso. Und der Glaube erst recht. Kein Mensch hat je morgens beschlossen: «Heute werde ich mal drei Zentimeter im Glauben wachsen.» So funktioniert das nicht. Gott arbeitet lieber mit Samen und Jahreszeiten als mit Stoppuhren. Das ist übrigens eine grosse Entlastung. Gerade für Menschen, die alles im Griff haben möchten.
Gott spricht: «Mach deinen Teil. Den Rest überlass mir.» Darauf dürfen wir vertrauen.
Editorial: Die Erde - Gott arbeitet im Verborgenen