News von der Glarner reformierten Landeskirche

Festtagsartikel zum Bettag 2026: Dankbarkeit macht stark

von Almut Neumann
min
17.09.2026
Mit den Augen der Dankbarkeit entdecken wir Tag für Tag, dass Gottes neue Welt längst unter uns Gestalt annimmt. Nicht laut und spektakulär, sondern leise, im Alltag, in Begegnungen, im Guten, das wir erfahren.

Viele Menschen erzählen mir, wie sehr sie sich um die Welt und um die Menschen sorgen. Und genau in solche Sorgen hinein spricht Jesus uns in der Bergpredigt Mut zu. Er sagt: „Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben: darum, was ihr essen oder trinken sollt, oder um euren Körper und was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als Nahrung und der Körper nicht mehr als Kleidung? Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nichts in Scheunen, und doch ernährt sie euer himmlischer Vater.“ (Matthäus 6,25–31)

Ist das nicht ziemlich naiv? Aber Jesus begründet seine Aufforderung zur Sorglosigkeit sehr klar: „Wer von euch kann durch all seine Sorgen sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?“ Die Antwort liegt auf der Hand: Niemand.

Sorgen gehören zu uns Menschen, aber sie bringen uns nicht weiter. Sorgen ziehen uns nach unten, sie verengen unseren Blick, dass wir innerlich wie gelähmt sind und gerade dann nicht mehr für uns oder für andere da sein können.

Wenn wir gut mit den Herausforderungen unseres Lebens und dieser Welt umgehen wollen, brauchen wir innere Stärke. Eine Kraft, die uns hilft, auch in schweren Zeiten handlungsfähig und zuversichtlich zu bleiben. Wir brauchen die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten, Stress und Rückschlägen so umzugehen, dass sie uns nicht dauerhaft niederdrücken, sondern uns wachsen lassen. Diese innere Stärke ist ein stilles Vertrauen, das uns trägt.

Wie geht das im Alltag? Im Psalm 103 werden wir erinnert: „Denk daran, was Gott dir Gutes getan hat.“ Gott möchte, dass wir das Gute nicht übersehen, sondern bewusst wahrnehmen und dankbar werden. Dankbarkeit ist wie ein innerer Kompass: Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit zu dem, was uns stärkt. Dankbarkeit öffnet den Blick für Möglichkeiten und für das, was gelingt. Sie weckt positive Gefühle — Freude, Verbundenheit, Hoffnung. Diese Gefühle wirken wie ein Gegengewicht zum Stress, sie entlasten unser Herz und eröffnen neue Sichtweisen. Dankbarkeit wird zu einem echten Kraftspender für unsere Seele.

Dankbarkeit hilft uns auch, Zusammenhänge und Sinn zu erkennen. Selbst in schwierigen Zeiten lässt sie uns das Positive im Negativen entdecken. Krisen können zu Wachstumschancen werden; und gerade in schweren Phasen wächst das Bewusstsein für die eigene innere Stärke.

Darum hat Jesus recht, wenn er uns ermahnt: „Bleibt nicht in euren Sorgen gefangen. Schaut auch auf das Schöne, das euch diese Welt und euer Leben schenken. Erkennt darin die Spuren Gottes, der diese Welt geschaffen hat und erhält. Jede Blume auf dem Feld und jeder Vogel am Himmel will euch an seine fürsorgende Liebe erinnern.“ Diese Bilder sind  Einladungen: Schaut hin. Seht das Leben. Seht die Fürsorge Gottes, die sich in den kleinen Dingen zeigt — im Lachen eines Menschen, im Duft einer Blume, im Licht eines Morgens, im Frieden eines Augenblicks.

Mit den Augen der Dankbarkeit entdecken wir Tag für Tag, dass Gottes neue Welt längst unter uns Gestalt annimmt. Nicht laut und spektakulär, sondern leise, im Alltag, in Begegnungen, im Guten, das wir erfahren. Und wenn wir uns nicht mehr von unseren Sorgen beherrschen lassen, wächst in uns die Bereitschaft, das, was wir haben, mit denen zu teilen, die unsere Hilfe brauchen. Dankbarkeit macht unser Herz weit; und weite Herzen verändern die Welt.

So können wir den diesjährigen Dank-, Buss- und Bettag getrost als einen Tag des Dankes feiern. Wir dürfen Gott und unseren Mitmenschen danken für all das Gute, das wir erfahren haben und immer wieder erleben dürfen. Dank öffnet neue Zugänge zu Gott, zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zum Leben. Er schafft Raum für Vertrauen, für Mut, für Hoffnung. Und er schenkt uns die Freiheit, das Leben nicht nur zu ertragen, sondern zu gestalten. Geben wir dem Dank mehr Raum in unserem Alltag, und wir werden sehen, wie die Klage verstummt, die Zuversicht wächst und die Freude wieder Platz gewinnt.

Dazu gebe Gott seinen Segen. Ihre Almut Neumann

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