News von der Glarner reformierten Landeskirche

Glauben im Alltag: Der Himmel über uns

von Margrith Jost
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25.06.2026
Wir Menschen sehen den einen, selben Himmel über uns, und doch nehmen wir ihn verschieden wahr. So etwa am Meer und in den Bergen – und auch im Glaubensleben.

Im Frühling dieses Jahres verbrachte ich zum ersten Mal ein paar Wochen an der deutschen Nordseeküste. Das ebene Land und diese Weite waren ungewohnt. Der Wind blies den Kopf frei. Am beeindruckendsten aber war für mich der grosse, weite Himmel. Bei sonnigem und klarem Wetter befand ich mich gefühlt unten auf einem schmalen Stück Erdboden, und über mir war unendlich viel Blau. Liess ich den Blick bei trübem Wetter über das Wattenmeer schweifen, so wusste ich manchmal nicht genau, wo dieser grauglänzende feuchte Boden überging in den silbergrauen Himmel. Die Grenzen vermischten sich.

Wie anders nehme ich den Himmel im Glarnerland wahr. Da wandert mein Blick zuerst vom Talboden die steilen Bergwände empor.  Der Himmel wirkt wie dazwischen aufgespannt. Und das Verhältnis zwischen unten und oben scheint mir ein anderes: Mehr Erde - weniger Himmel.

Ich frage mich: Macht das etwas mit uns Menschen, wie wir den Himmel sehen?

Für viele Menschen hat der Himmel ja auch eine spirituelle Dimension. Wir denken uns den Himmel als Ort, wo Gott wohnt.  Davon sprechen schon die biblischen Psalmen. «Ich erhebe meine Augen zu Dir, der du hoch im Himmel thronst» Ps. 123, 1.

Aber in unserem Alltag gibt es Zeiten, in denen wir nicht «über den Berg sehen». Es können ganz verschiedene Berge sein, die uns im Weg stehen. Der Himmel scheint dann weit weg und klein. Dies lässt uns zweifeln an der Hilfe von oben.

Jesus hat vom Himmelreich gesprochen. Dieses ist nicht ein entfernter Himmel, in den wir dann erst nach unserem Tod aufgenommen werden. Nein, das Himmelreich beginnt schon hier und jetzt. Jesus braucht viele verschiedene Bilder dafür in seinen Gleichnissen, die wir Menschen für unsere Zeit immer wieder neu deuten müssen. Für mich ist es ein neues Leben, das im Vertrauen auf die verändernde Kraft Gottes entsteht. Das kann auch heissen, dass wir aufgerufen sind, miteinander die Berge abzutragen, die unseren Blick auf den Himmel einschränken. Wir können unsere Hände und Füsse, unseren Kopf, unser Herz und unsere Fantasie brauchen, um einander beizustehen, zu entlasten, zu trösten, aufzurichten und miteinander zuversichtlich die nächsten Etappen im Leben zu gehen.

Schön, wenn wir Verbündete in unseren Kirchgemeinden finden, die mit uns den grossen weiten Himmel sichtbar und erfahrbar machen. Gemeinsam hoffen wir, dass ein heiliger Wind zu uns weht und das göttliche Licht immer wieder neu den Weg zu uns ins Tal findet.

Text und Bilder: Margrith Jost

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