Schwerpunkt: Segensreiches Glarner Wasser
Von Jürg Huber und Swantje Kammerecker
Elm: St. Martins sprudelndes Erbe
Glarus ist der einzige Kanton mit einer Person – genauer dem Heiligen Fridolin – im Wappen; aber auch auf einem bekannten Produkt aus dem Glarnerland ist ein Mönch abgebildet. Auf jeder Flasche Elmer Mineral oder Elmer Citro fängt ein Mönch Wasser, das aus dem Elmer Felsen entspringt, in einer Schale auf. Diese Person hat aber nichts mit dem Landespatron oder gar dem Hirten zu tun, der für das Loch in den Tschingelhörnern verantwortlich ist. Abgebildet ist Martin von Tours, welcher im 4. Jahrhundert Bischof der französischen Stadt war und zu einem der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche gehört. So ist auch die Kapelle nahe Elm ihm geweiht und da die Quellen in deren Nähe entspringen, wurde er auch für sie der Namenspatron. Beides dürfte er wohl nie persönlich gesehen haben. Um die Jahrhundertwende wurde das feuchte Gut abgefüllt und ist unter anderem als «Elmerwasser» oder «Elmer Sprudel» in den Handel gekommen.
1929 wurden die Mineralquellen Elm gegründet, der erste und bisher einzige industrielle Betrieb im Ort. Gleichzeitig fand nun Sankt Martin seinen Weg auf die Etikette. Die beiden erfrischenden Produkte eroberten nach und nach die ganze Schweiz. Aktuell sind rund 30 Personen beim Unternehmen beschäftigt und füllen rund 25 Mio. Liter Mineralwasser und Sirupgetränke ab. Einen spannenden Einblick in die Produktion und die Geschichte der Mineralquellen Elm bietet das Quellenerlebnis, wo man live beobachten kann, wie die Flaschen abgefüllt werden. An der frischen Luft kann man zudem auf dem Elmer Citro Quellenweg der Spur des Wassers folgen. Auf der gut einstündigen Wanderung (während der auch ein Kreuzworträtsel gelöst werden kann), können alle aktiven und inaktiven Quellen entdeckt und somit ein Teil der geheimen Rezeptur herausgefunden werden. Der Weg bietet nicht nur einen traumhaften Panoramablick auf das Sernftal, sondern er führt unter anderem auch an einem Brunnen vorbei, bei dem sich die Besucher mit Elmer Citro erfrischen können. Mehr: elmercitro.ch Text und Bilder: Jürg Huber
Grosstal: Die Mühle am Diesbachfall
Outdoor-Taufen sind auch im Glarnerland beliebt – so etwa am Diesbachfall (seinen Namen habe er vom "diesen", dem tosenden Geräusch vor allem zur Zeit der Schneeschmelze, heisst es). Er gilt als einer der letzten wenigen Glarner Wasserfälle, die in noch beinah ursprünglicher Pracht erhalten sind. Umgeben von idyllischen Wiesen, ist er über einen Spaziergang etwa ab Hätzingen (in ca. 25 Minuten) zu erreichen, und natürlich ab dem Dorf Diesbach (10 Minuten), wo es mit dem Legler-Haus auch ein kleines Museum hat. Ein historisches Kleinod ist auch die Mühle unterhalb des Wasserfalls, erbaut 1778, die sich seit 1959 im Besitz der heutigen Kirchgemeinde Grosstal befindet. Dank der Initiative des damaligen Pfarrers Jakob Schiltknecht wurde die fast schon abrissreife Mühle gerettet und in etwa 7000-stündiger Fronarbeit wiederaufgebaut. Geschenkt wurde damals das lang nicht mehr genutzte Gebäude von der Vorbesitzerin, der Firma Legler – sie hatte 1888 am Diesbachfall mit der Nutzung des Wassers das erste Kraftwerk in Glarus in Betrieb genommen. (Der weiteren Nutzung der Wasserkraft wurde vor Jahrzehnten ein Riegel geschoben und die Schutzwürdigkeit des Diesbachfalls anerkannt.)
Das 1960 eingeweihte Gästehaus, damals noch ohne fliessend Wasser und Strom, sollte der «reiferen Jugend» als Ort der Erbauung dienen und ihr nahebringen, wie die Vorfahren gelebt hatten. Jedoch sei die Handhabung von Plumpsklo und Petroleumlampen doch auf Dauer nicht praktikabel gewesen, erinnert sich Ruth Meli, die bereits 1986-1988 die Mühle für die Kirchgemeinde betreute und das auch heute wieder als Kirchengutsverwalterin tut. So folgte 1993 eine Grossrenovation samt Anbau für Duschen und WC. Das «Mühleli» ist bis heute als Gruppenunterkunft mit zwei Schlafräumen und zwei Aufenthaltsräumen beliebt. Nahe dem Wasserfall hat es einen Grill- und Picknickplatz an imposanter Kulisse. Ein steiler Weg führt durch den Wald dem Wasserfall entlang und erlaubt einen näheren Blick auf das Naturschauspiel. Wer noch mehr Höhenlinien nicht scheut, kann weiter nach Mettmen oder zur Legler-Hütte im Kärpfgebiet aufsteigen – oder bequem über einen Fahrweg nach Betschwanden und Diesbach ins Tal zurück wandern. Mehr: https://www.ref-gl.ch/kg/grosstal/gt_muehle
Linthal: Felix und Regula-Quelle
Im Jahr 2013 machte sich eine erste Pilgergruppe auf den Weg von Linthal nach Zürich und folgte den Spuren der Märtyrer Felix und Regula, die laut der Legende um 300 vor der Christen-Verfolgung durch den grausamen Kaiser Maximilian geflohen seien. Den Weg hatte der katholische Pfarrer Josef Kohler ins Leben gerufen, jedoch war es von Beginn an ein ökumenisches Unternehmen, bei dem Reformierte, Katholiken und Orthodoxe zusammenkamen. Schliesslich stammten Felix und Regula aus Ägypten, der Heimat christlicher Kopten. Obwohl der damals gegründete Felix-und-Regula-Pilgerverein sich 2023 aufgelöst hat, werden – wenn auch nicht jedes Jahr – immer wieder ökumenische Feierstunden an der Quelle organisiert, meist am Heiligentag vom 11. September (siehe Bild). Ruth Meli, Kirchgemeinde Grosstal, erinnert sich besonders an das Jubiläumsjahr 2023, wo sogar eine grosse Pilgergruppe der russisch-orthodoxen Kirche dem Pilgerweg folgte. Während eines eindrücklichen Gottesdienstes wurde die Quelle gesegnet. Die katholische Kirche Linthal, welche 2013 nach ihrer Renovation vom Bischof in Chur einen neu geschaffenen Bilderzyklus mit den Reliquien von Felix und Regula geschenkt erhielt, ist dabei eine wichtige Station, ebenso wie die Wasserkirche in Zürich und natürlich das Zürcher Grossmünster: Nach der Enthauptung der Geschwister, die sich geweigert hatten, einem heidnischen Heer zu dienen, wurde später das Grossmünster über ihren Gräbern errichtet und die Märtyrer zu Schutzheiligen Zürichs erklärt.
So schaurig dieses lang zurückliegende Geschehen auch anmutet, so lieblich und friedvoll ist heute die Naturkulisse im Tierfed, durch die jenes Bächlein führt, das damals die Flüchtenden stärkte. Es folgt dem Lauf der Linth, über den Escher-Kanal, Walensee und zum Zürisee, einer Strecke von 90 km. Über den Abzweig bei Pfäffikon und Einsiedeln besteht auch ein Anschluss an den Jakobsweg und damit an ein europaweites Netz an Pilgerstrecken. Mehr: https://felixundregulapilgerweg.wordpress.com
Fotos: zvg, Jürg Huber, Gemeinde Grosstal Glarus Süd
Schwerpunkt: Segensreiches Glarner Wasser