News von der Glarner reformierten Landeskirche

An Pfingsten bewegt sich was

von Dagmar Doll
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20.05.2026
Der Pfingstgeist erscheint in vielen Abbildungen als Taube. Was, wenn er sich plötzlich auf unserer Schulter niederlässt? Wie kann er uns verändern, unsere Haltung zu den Mitmenschen, zu Gott, zu Jesus Christus und als Gemeinschaft der Gläubigen?

Von Pfarrerin Dagmar Doll

Mir fiel eine Geschichte ein, die ich irgendwann einmal gehört habe. Da ging es um einen Pfarrer in Süditalien, der immer an Pfingsten einen beliebten „special effect“ im Gottesdienst bot. Immer, wenn er die Predigt beendet hatte, flog von irgendwo her eine Taube durch die Kirche und setzte sich auf irgendeine Schulter. Jedes Jahr war es spannend, wer es dieses Mal sein würde, wussten doch die Leute, dass es meist den traf, der irgendetwas in seinem Leben ändern musste. Das klappte wohl jeweils gut, denn plötzlich war der Lehrer nicht mehr so streng oder der Polizist verteilte weniger Bussen. Als der alte Pfarrer starb, kam ein neuer, der fand diesen Brauch überflüssig. Einmal wollte er es jedoch noch einmal tun und hoffte, dass die Taube durch die weitgeöffneten Türen der Kirche verschwinden würde. Aber, so erinnere ich mich, die Taube flog nicht davon, sondern setzte sich schnurstracks auf die Schulter des neuen Pfarrers. Zurück blieb eine klatschende und fröhliche Pfingstgemeinde! Welche Pfingstveränderungen bewirkte dieses Zeichen wohl beim Pfarrer in diesem Jahr? Was würde geschehen, wenn die Taube auf meinen Schultern landen würde?

Den Glauben mutig weitertragen

An Pfingsten verändert sich etwas, das entnehme ich der Geschichte. Und an Pfingsten geht es um mich, um meine Haltung zu meinen Mitmenschen, zum Glauben, zu Gott und zu Jesus Christus.

Die Frage, ob alles beim Alten bleibt, oder ich neu aufbreche, ob Erstarrtes beweglich wird und ob ich nach draussen gehe und meinen Glauben verkündige und auch lebe. Die versteckten Jüngerinnen und Jünger ahnen nicht, dass ihr ängstliches zurückgezogenes Leben nach dem irdischen Abschied von Jesus in ein mutiges offenes Leben verwandelt werden wird. Hatten sie eben noch Angst, sich als Christinnen und Christen zu outen, so gehen sie nun hinaus voller Mut und voller Inspiration und erzählen den Menschen von Christus.

Der Geist im Alten Testament

Das macht viel weniger dieses Pfingstwunder, ein Erdbeben, ein Sturm und Feuerzungen, sondern vielmehr diese besondere Kraft, die von Gott ausgeht und die über die kommt, die sich ihrer öffnen können. Im Alten Testament ist diese Kraft von Anfang an dabei – sie ist ein Wesen Gottes – sie heisst Ruach – Geistkraft Gottes. Und so wie sie über er Urflut in der Schöpfungsgeschichte bewegt, so bewegt sie uns. Und dabei ist es ganz egal, ob wir an Pfingsten brav zur Kirche gehen oder auf dem Campingplatz von diesem Geist erfüllt werden. Gesegnetes Pfingstfest!

PS: Wer mag, besuche doch unseren Pfingst-Gottesdienst am 24. Mai in der Stadtkirche Glarus um 9.30 Uhr. Wer weiss, vielleicht überrascht uns da auch eine Taube? 

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