News von der Glarner reformierten Landeskirche

Gibt es ein zweites Pfingsten?

von Swantje Kammerecker
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06.05.2026
War Pfingsten nur ein historisches Ereignis – oder kann man noch heute eine Erweckung durch den Heiligen Geist erleben? Wird die feurige Rede in fremden Sprachen noch praktiziert? Ein Gespräch mit Andreas Schranz, Pastor der Glarner Pfingstmission.

Andreas Schranz wirkt seit über 20 Jahren als Pastor der «Pfimi» Glarus. Der ausgebildete Automechaniker absolvierte in England eine Bibelschule, gründete eine Familie mit vier Kindern und wohnt heute in Schwanden. Er wuchs in einem gläubigen Elternhaus auf und hatte während einer Jugendfreizeit als Zwölfjähriger ein prägendes Erlebnis: «Mir wurde eine fremde Sprache geschenkt, die ich redete, ohne sie vorher gekannt zu haben.» Ab da fand er seine Bestimmung in der Pfingstbewegung. Für das Verständnis der Pfingstgemeinden nennt er drei Begriffe: WISSEN, GLAUBEN, ERFAHRUNG: «Ich weiss und glaube mit meinem Verstand, dass sich der dreieinige Gott noch heute offenbart und erfahrbar ist. Dabei ist der Glaube an Jesus Christus, sein Leben, Sterben und die Auferstehung zentral. Das Wissen dazu finde ich in der Bibel.» Glauben sei einerseits eine Entscheidung, andererseits aber auch ein Geschenk, eine Offenbarung – und bleibe ein Geheimnis.

Pfingstbewegung begann vor 120 Jahren

Die Sehnsucht nach dieser Offenbarung Gottes liess Menschen immer wieder auf ein «zweites Pfingsten» hoffen. Vorläufer der eigentlichen Pfingstmission gab es schon Jahrhunderte bevor dann vor 120 Jahren die Initial-Zündung erfolgte: Um William Seymour, ein demütiger und ungebildeter Sohn früherer Sklaven, versammelten sich am 14. April 1906 Hunderte, später Tausende Menschen in einer baufälligen, mit Sägespänen und Strohmatten ausgelegten Halle in Los Angeles. Sie erlebten eine überwältigende Erweckung durch den Heiligen Geist. Die Bewegung breitete sich weltweit aus, umfasst heute über 500 Millionen Gläubige; in der Schweiz gibt es 70 Pfingstgemeinden.

Zurück nach Glarus – wie läuft dort der Gottesdienst ab? Wie zeigt sich dabei der Pfingstgeist? «Gebet, Bibellesung, Lieder, Predigt, vieles ist sicher ähnlich wie in der reformierten Kirche, jedoch gehen wir in der Liturgie nicht nach dem Kirchenjahr. Dem Heiligen Geist Raum zu geben, das geschieht auch in dem wir im Gottesdienst offen sind für spontane Äusserungen, wenn Menschen etwa ein Bild oder einen Eindruck, ein prophetisches Wort, empfangen haben. Das kommt bei uns häufiger vor. Reden in fremden Sprachen, wie in der Apostelgeschichte beschrieben, eher nicht. Das Zungenreden wird vor allem im persönlichen Gebet praktiziert. Es dient ja auch nur, wenn diese Sprache auch ausgelegt, also übersetzt werden kann.» Andreas Schranz weiss aber von anderen Pfingstgemeinden, wo die Zungenrede noch praktiziert wird. Jede Pfimi in der Schweiz sei eigenständig und natürlich hängt vieles vom jeweiligen Pastor und Gemeindevorstand ab.

Feueropfer im Alten Testament

Das Bild von den Feuerzungen findet er aber dennoch sehr passend und inspirierend: «Feuer steht, neben Zerstörung und Gericht, für die Kraft der Begeisterung, Erneuerung, Klärung und Reinigung. Feuer ist bereits im Alten Testament – durch die Brandopfer – mit einer starken Symbolik verbunden. So erleben wir etwa in der Feuergeschichte am Berg Karmel, wie Elia die Baals-Propheten zum Wettstreit herausfordert und obsiegt: Während die 450 Götzenanhänger kein einziges Brandopfer zustande bringen, lässt Elia sein Opfer noch mit Wasser übergiessen, doch Gott schickt Feuer vom Himmel und es brennt».

Bild: Andreas Schranz neben einer Installation in den Räumen der Pfingstgemeinde Glarus Das rote Band symbolisiert den Heiligen Geist, der die Seele emporzieht. Umgeben von den Worten: «Gebet – Chraft – Wält», welche bedeuten: Gebet, der Zugang zu Gott; Chraft aus der Gemeinschaft der Glaubenden; Wält, die gute Nachricht von Jesus Christus für unsere Welt.

Zum Weiterlesen (vielleicht im farbigen Kasten)

Apostelgeschichte, 2. Kapitel: Die Jünger erleben die Ausgiessung des Heiligen Geistes, die Geburtsstunde der Christengemeinde.

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