News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: Kilbi auf dem Dorfplatz – ein Fest, das verbindet

von Almut Neumann
min
09.10.2026
Wenn auf dem Dorfplatz die bunten Fahnen wehen, der Duft von frisch gebrannten Mandeln in der Luft liegt und Kinder mit glänzenden Augen um die Reitschule laufen, dann ist klar: Es ist wieder Kilbi.

Von Pfarrerin Almut Neumann

Das Kirchweihfest, das seit Generationen gefeiert wird, gehört zu den Tagen, an denen das Dorf spürbar zusammenrückt. Menschen, die sich im Alltag nur flüchtig begegnen, kommen ins Gespräch, teilen ein Lachen, ein Glas Most, eine Erinnerung.

Die Kilbi hat ihren Ursprung im Kirchweihfest – dem Tag, an dem eine Kirche eingeweiht wurde und man Gott für diesen Ort der Gemeinschaft dankte. Heute feiern Christen diesen Hintergrund bewusst mit, doch das Fest ist längst breiter geworden. Es ist offen für alle, unabhängig von Glauben oder Tradition. Die Kilbi ist ein Stück Dorfkultur, ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlen darf, egal, woher man kommt oder was man glaubt. Auf dem Platz mischen sich vertraute Klänge: das Scheppern der Büchsenwurfstände, das Lachen der Kinder, das Stimmengewirr der Menschen, die sich nach langer Zeit wiedersehen. Die Vereine präsentieren sich mit Stolz. Viele Hände arbeiten im Hintergrund, oft ehrenamtlich, oft seit Jahren. Ohne sie gäbe es dieses Fest nicht. Einen grossen Dank dafür.

Für viele gehört der Besuch der Kirche am Kilbisonntag dazu. Nicht als Pflicht, sondern als Moment der Ruhe. Die Türen stehen offen, Kerzen brennen, und wer möchte, kann einen Augenblick innehalten. Manche sprechen ein Gebet, andere geniessen einfach die Stille. Die Botschaft dieses Tages ist schlicht: Dankbarkeit für das Leben, für die Gemeinschaft, für die Orte, die uns tragen.

Und vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft der Kilbi: Sie schafft einen Raum, in dem das Dorf sich selbst begegnet. Zwischen Bratwurstduft und Kerzenlicht entsteht ein Gefühl von Vertrautheit. Man spürt, dass Gemeinschaft nicht aus grossen Gesten besteht, sondern aus vielen kleinen Momenten – einem freundlichen Blick, einem kurzen Gespräch, einem Wiedersehen. Familien sitzen zusammen an langen Holztischen, teilen Pommes, Bratwurst und Geschichten. Ältere erzählen von früheren Kilbis, als der Dorfplatz noch kleiner war. Jüngere entdecken das Fest neu – als Treffpunkt, als Pause vom Alltag, als fröhliches Durcheinander.

Und irgendwo zwischen Most, Maronis und Stimmengewirr liegt die stille Botschaft dieses Tages: dass Tradition nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern Gegenwart verbindet. Dass ein Dorfplatz mehr sein kann als ein geografischer Punkt. Und dass Glaube manchmal dort aufscheint, wo man ihn nicht erwartet – mitten im Lachen, im einfachen Dasein füreinander.

Die Kilbi ist kein grosses Spektakel, aber sie ist etwas Wertvolleres: ein Fest, das Menschen verbindet. Ein Tag, an dem das Dorf zeigt, was es kann – mit Nähe und Wärme. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Kilbi jedes Jahr aufs Neue so besonders ist. Sie erinnert uns daran, dass wir zusammengehören mit all unseren Unterschieden und Hoffnungen, nicht perfekt, nicht immer einig, aber getragen von etwas Grösserem – von Gemeinschaft, von Geschichte, von Gott.

So bleibt die Kilbi ein Fest, das uns einlädt, miteinander zu feiern – einfach, herzlich, menschlich.

Geniessen Sie noch die letzten Kilbenen in diesem Jahr, viel Spass. Ihre Almut Neumann

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