Momente gelebten Glaubens - unscheinbar und doch kraftvoll
Von Hansueli Knobel, Kirchgemeindepräsident Schwanden
Unser Glaube wird heute immer mehr auch durch die vorgegebene Alltagsorientierung geprägt. Im Terminkalender zwischen Arbeitsalltag, Familienpflichten und Freizeitstress bleibt selten Zeit für stundenlange Meditationen oder ausgedehnte Bibellesezeiten.
Auch sind nicht ein bestimmter Ort oder Zeitpunkt massgebend für ein Gespräch mit Gott. Es bleibt das kurze, stumme Dankgebet beim morgendlichen Kaffee bevor das Haus erwacht oder der bewusste Verzicht auf das Smartphone, um stattdessen fünf Minuten aus dem Fenster zu schauen, durchzuatmen und so auf stille Weise mit Gott in Kontakt zu treten.
Es geht nicht um das Perfektsein oder das fehlerfreie Absolvieren von Ritualen, sondern einzig um die ehrliche Beziehung zu Gott mitten im oft chaotischen Alltag. Gott fordert keine spirituelle Dauerleistung, sondern freut sich an jedem Moment, den man ihm schenkt.
Nächstenliebe ist auch eine Form von gelebtem Glauben und zeigt sich im Alltag oft in den unscheinbaren Details: in der Geduld mit der sichtlich überforderten Kassiererin beim Einkaufen, im offenen Ohr für den einsamen Nachbarn oder in der Zivilcourage, wenn man sich wo nötig für Schwächere einsetzt und für sie einsteht.
In der Arbeitswelt
Moral und Ethik sind zwei Begriffe, die häufig auch in Verbindung mit der Arbeitswelt genannt werden. Wenn man danach lebt, kann dies auch als still gelebter Glauben im Alltag betrachtet werden. Voraussetzung dafür sind: eigene hohe Ansprüche an soziale und zwischenmenschliche Werte, die man auch im Umgang mit Kundschaft, Vorgesetzten und Mitarbeitern wahrnimmt. Nimmt man sich diese Worte zu Herzen und versucht so gut wie möglich nach diesen Grundsätzen den Alltag zu meistern, kann man Gott damit mindestens so erfreuen wie mit einem Gebet.
Ein innerer Anker
Auch der bewusste, nachhaltige Umgang mit der Schöpfung, wo wir Verantwortung für unsere Mitmenschen, unsere Nachkommen und die Umwelt übernehmen sollten, gehört dazu.
Ein gelebter Glaube kann sich somit auf verschiedenste Arten im Alltag zeigen, auch wenn dies manchmal nicht immer sichtbar ist. Beten für sich ganz alleine, versteckte gute Taten, oder einfach nur ein guter Mensch sein, gehören sogar zu den Grundvoraussetzungen, um Gott nahe zu sein. Der Glaube an Gott kann zu einem unbezahlbaren inneren Anker werden. Er nimmt uns die Herausforderungen und Sorgen des Lebens nicht ab. Aber er verändert grundlegend die Haltung, mit der wir all dem begegnen, und hilft uns, die Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt, einfacher meistern zu können.
Foto: Aus der Werkstatt, Bildhauerarbeit von Hansueli Knobel. Auch in der schöpferischen Arbeit kann die Beziehung zu Gott vertieft werden.
Momente gelebten Glaubens - unscheinbar und doch kraftvoll