News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause: Herbstlaub - das Leuchten der Lebensfarben

von Manja Pietzcker
min
07.11.2026
Sind Sie als Kind auch gern mit den Füssen durchs Laub gelaufen und haben es so richtig „rascheln“ lassen?

Der Herbst ist die Zeit der bunten, fallenden Blätter. Die Zeit der tiefstehenden Sonne und warmen Farben. Kein saftiges Grün, kein grelles Gelb oder Blau mehr. Aber jede Menge Orange, Rot und Braun. Trotz der zunehmenden Kälte sind es warme Farben, die uns die Vergänglichkeit allen Lebens vor Augen führen.

Als Kinder haben wir den Herbst wegen seiner Farben und vielleicht auch wegen der Kastanien und Eicheln geliebt, aus denen man allerlei lustige Figuren bauen konnte. Oder wegen des Windes: Bunte Drachen tanzten am Himmel und machten es den Blättern gleich.

 

Heute ist der Herbst für viele wohl vor allem die Zeit der vollen Terminkalender: Das Futter für den Winter muss auf den Heuboden, die Hütte muss winterfest gemacht werden, die Vereine planen ihren Jahresabschluss und in den Geschäften droht schon seit August der rot-zipfelige Gesell damit, dass es bald noch stressiger werden wird.

Dabei gehört der Herbst genauso zum Leben dazu wie der Frühling und der Sommer. Im Jahreslauf genauso wie im Lebenslauf. Er steht für die unumkehrbaren Veränderungen: aus Kindern werden Männer und Frauen, Eltern werden älter. Neben dem Wachsen bekommt auch der Abschied seinen Platz. So wie ein Blatt im Lauf der Jahreszeiten seine Farbe von hellgrün zu sattgrün und nun gelb-rot und letztlich braun ändert, so verändern auch wir quasi unsere Farbe. Wichtig finde ich dabei, dass das Blatt ja aber seinen Wert nicht verliert. Jedes Blatt, in jeder Lebensphase, mit jeder Farbe, hat seine Bedeutung, hat seine Funktion. Und noch etwas fällt mir inmitten des herbstlichen Laubes auf, das nun unter dem Baum liegt: Auch die bunten und braunen Blätter, die der Baum während der Winterruhe an den Zweigen nicht braucht, fallen nicht einfach ins „Nichts“. Sie segeln, getragen vom Wind, auf den Boden und bilden dort den schönsten bunten Spielteppich - bevor sie sich, vereint mit den Früchten der Pflanzen, in der Erde daran machen, als Basis für neues Leben im nächsten Frühling zu dienen.

Ich finde das ein wundervolles Bild auch für unser Leben: wir sind gehalten und getragen von Gott, wertvoll mit unserer je eigenen Farbe. Kein Blatt gleicht dem anderen und so ist es auch mit uns Menschen. Für Gott sind wir einzigartig und wertvoll, genau so, wie wir gerade sind. Auch in Zeiten von Umbruch und Unsicherheit. Schon der Prophet Jesaja schreibt im Alten Testament vor mehr als 2000 Jahren: „Gott spricht: Bis ins hohe Alter werde ich euch tragen, auch wenn ihr grau geworden seid. Ich habe euch gemacht, und ich werde euch tragen.“

Im Alltag müssen wir vieles tragen. Wir haben Verantwortung für unsere Familien, müssen uns mit vielen Sorgen herumschlagen und von allen Seiten Erwartungen erfüllen. Wenn wir auf die bunten Herbstblätter schauen, dürfen wir uns daran erinnern, dass wir nicht alles allein schaffen müssen. Gott hält uns und fängt uns auf. Wir dürfen ihm getrost überlassen, was wir selber nicht kontrollieren können. Wenn ein buntes Herbstblatt sich vom Zweig löst und sich dem Wind überlässt, weiss es nicht, wo es landen wird. Doch es kann genau wie wir gewiss sein, dass es landen wird. 

Wir müssen nicht krampfhaft festhalten am Gewohnten, wir dürfen einfach mal die Farbe wechseln, loslassen und uns treiben lassen. Wohin der Wind und das Leben uns auch treibt: Gott trägt uns. 

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