Hanna – die Prophetin als Ruhepol im Getriebe des Lebens
Vom Swantje Kammerecker
Das Leben ist ein Getümmel – Arbeit, Haushalt, spielende Kinder, Handy und Laptop… und dazwischen, die Ruhe selbst: eine hochbetagte Frau, die ein Baby im Arm wiegt. Wie können wir uns heute Hanna vorstellen, die im Lukasevangelium (Kap. 2, Vers 36-39) als Prophetin, Beterin, Zeugin des neugeborenen Heiland beschrieben wird? Was hat sie gesagt und getan? Von Simeon, der wie Hanna im selben Tempel auf Jesu Ankunft wartet, steht im vorangehenden Textabschnitt viel mehr geschrieben – sein berühmter Lobgesang und die wörtlich wiedergegebene Segnung der Familie Jesu. Hannas Geschichte hingegen ist leise, «ein Plädoyer für Stille im Land», so formuliert es Yvonne Heussi aus dem Vorbereitungsteam von «Kirche unterwegs». Aus verschiedenen Perspektiven nähert sich die Gruppe von sieben Glarnerinnen jener Frau, die, «seit 84 Jahren Witwe», «Gott Tag und Nacht im Tempel diente» und dort den Menschen die Augen zu Jesus öffnete. Es wird ein eher ruhiger Gottesdienst werden, mit Musik von Harfe und Orgel, meditativen Liedern und Lesungen, welche Facetten der Hanna in historischen und zeitgenössischen Persönlichkeiten widerspiegeln werden: von der jüngst verstorbenen Theologin Adelheid Baumgartner über die im Freulerpalast abgebildete Marie-Theres bis hin zu Friedensbotschafterinnen wie Jane Goodall und weiteren. Es braucht jeweils etliche Treffen, bis aus dem kreativen Ideenpool die Liturgie feststeht. Vorgaben gibt es bei «Kirche unterwegs» kaum, ausser dass es jahrweise abwechselnd um eine Frau des alten und neuen Testamentes geht; nur im Reformationsjahr waren Reformatorinnen Thema. Seit 1995, dem Auftakt der Dekade zur Gewalt gegen Frauen, wird der kantonale Gottesdienst «Kirche unterwegs» angeboten und spricht ein zwar nicht grosses, aber treues Publikum an.
Frauen in der Kirche sichtbar machen
«Ich finde es wichtig, auch in der Kirche Frauen besser sichtbar zu machen und sich mit den weiblichen Figuren der Bibel auseinander zu setzen», erklärt Elisabeth Fischli, ein langjähriges Mitglied des Teams ihre Motivation. «Diese ungewöhnliche Form von Gottesdienst hat mich vor Jahren als Besucherin so begeistert, dass ich sofort mitmachen wollte und mich bei der Gruppe gemeldet habe», erzählt Ursi Zweifel, seit 2018 dabei. Susanna Graf, die als Kantonale Kirchenrätin dem Ressort Gesellschaft vorsteht, kann quasi amtshalber dazu und ist ebenfalls überzeugt von dem Format: «Alternative Gottesdienst-Formen sind in verschiedenen Kantonen auf dem Vormarsch. Gerade habe ich dies in einer Gemeinde in St. Gallen erlebt, wo Laienteams in der Gestaltung von Gottesdiensten ausgebildet werden.» Dort geschieht dies aber in Form von Tageskursen. Das Glarner Frauenteam besteht ebenfalls überwiegend aus Laiinnen, mit Dagmar Doll als Pfarrerin und Freya Riget als Katechetin – offenbar eine inspirierende Mischung. Sie ermöglicht neue unkonventionelle Zugänge zu bekannten oder weniger bekannten Bibelgeschichten, sorgt manches Mal für ein Aha-Erlebnis. Der Apéro nach dem Gottesdienst lädt ein, beim angeregten Austausch über das Gehörte und auch eigenes Erlebtes zu verweilen – wobei natürlich die Perspektiven von Menschen gleich welchen Geschlechts gefragt sind.
Samstag, 24. Oktober, 17 Uhr, ref. Kirche Mollis und Sonntag, 25. Oktober, 9.30 Uhr, Kirche Elm

Fokusthema «Ohne Frauen keine Kirche»
Frauen in der Kirchengeschichte lange unsichtbar: vergessen, verdrängt, aus Texten herausgeschrieben. Ein Blick zurück – und in die Gegenwart.
Hanna – die Prophetin als Ruhepol im Getriebe des Lebens