News von der Glarner reformierten Landeskirche

Frauen in der Kirche – zwischen biblischen Leitfiguren und patriarchalen Strukturen

von Manja Pietzcker
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22.09.2026
Noch in diesem Jahrtausend gab es sächsische Kirchgemeinden, die eine Frau als Pfarrperson ablehnten. Hingegen berichtet die Bibel immer wieder von Frauen, welche in entscheidenden Situationen eine tragende Rolle einnahmen. Wie bringen wir das zusammen?

Von Pfarrerin Manja Pietzcker, Kirchgemeinde Grosstal Glarus SĂĽd

Frauen in der Kirche? Ist doch normal! Wir sind alle Glieder am Leib Christi und aufgefordert, uns nach unseren Fähigkeiten und Gaben einzusetzen für die Gemeinde, egal welchen Geschlechts. Doch die Kirchengeschichte des letzten Jahrhunderte erzählt uns anderes. Ich habe noch erlebt, dass etwa Theologinnen schlaue Bücher schreiben und irgendwann sogar Theologie-Professorin werden konnten, aber Pfarrerin nicht. Diese Rolle war den Männern vorbehalten. Noch 2005 gab es Gemeinden im sächsischen Erzgebirge, die es rundweg ablehnten, eine Frau als Pfarrperson (ich liebe diese schweizerische geschlechtsneutrale Wortkreation!) zu akzeptieren. Selber schuld. Sie haben wichtige Chancen verpasst. Und gehören wohl heute zu den Gemeinden ohne Pfarrer – bei dem dort herrschenden Mangel an Fachpersonal.

In der Bibel – sogar beim scheinbar so frauenfeindlichen Apostel Paulus – entdecken wir hingegen weibliche Persönlichkeiten, die wichtige, ja teils tragende Rollen in der Gemeinde spielten. Diese Berichte ziehen sich durch die frühe israelitischen Geschichte bis ins Neue Testament; Frauen,  die im Leben Jesu und in seiner Nachfolge präsent waren und die Kirchenentwicklung mitprägten. 

Zum Beispiel Mirjam, die Schwester von Mose und Aaron. Von ihr ist eine der wichtigsten Lobhymnen überliefert, das Mirjam-Lied, entstanden nach dem erfolgreichen Durchzug durchs Schilfmeer. Sie tritt als Prophetin und Liturgin auf, führt die Frauen beim Freudentanz. Neben Mose und Aaron ist Mirjam eine wichtige Führungspersönlichkeit in jener herausfordernden Zeit, als das Volk Israel die „Fleischtöpfe Ägyptens“ gegen die Freiheit, aber eben auch die Entbehrungen der Wüste eingetauscht hatte. Sie verkörpert den weiblichen, kreativen und dennoch gradlinigen Anteil der Führung, die dieses Volk jetzt braucht. Und da ist noch Phoebe. Paulus, der wohl selber mit Frauen auf der persönlichen Ebene nicht so viel anfangen konnte, nennt sie beim Namen. Sie, die einflussreiche, vermutlich auch wohlhabende Diakonin, wird von ihm der Gemeinde anempfohlen. In eben diesem Zusammenhang ist dann noch von einer Person namens Junian (griechisch) die Rede, die sehr wahrscheinlich auch eine Frau war – Junia, und nicht Junias, wie man übersetzt hat. Aber dass ausgerechnet Paulus gegenüber den Römern die Frauen so hervorhebt, scheint später so manchen ein Dorn im Auge gewesen zu sein.

Ja, Frauen ticken und agieren mitunter anders. Aber gerade die Mischung aus weiblichen und männlichen Anteilen und Strategien macht eine Gemeinschaft erst komplett. Ich will darum auch gar nicht umgekehrt nur Frauen in vorderster Front in der Kirche haben, Gott bewahre! Ich geniesse die direkte und analytische Herangehensweise der Männer. Und ehrlich, mein Ding ist es nicht, wie Mirjam tanzend mit Tüchern zu winken. Das machen zum Glück andere. Denn so, wie es die Macher, die Strategen, die Koordinatoren braucht, so braucht es auch die Sängerinnen, Tänzerinnen, die mit den Duftölen und den Tüchern. Oder auch Tänzer und Sänger – und die Macherin, Strategin, Koordinatorin. Denn Begabungen, da bin ich sicher, hat Gott nicht nach dem Geschlecht verteilt, sondern jeder einzelnen Seele das mitgegeben, was sie am besten hier auf Erden zum Dienst für alle einsetzen kann.

Zurück zum Erzgebirge: Jene Gemeinden, die sich auf den weiblicheren Führungsstil einliessen, haben damit der Kreativität und Warmherzigkeit Raum gegeben. Vielleicht auch dem Mut, Neues zu wagen und Dinge zu sagen und zu glauben, die „mann“ noch nie so gemacht hat. Wie die Frauen am Grab Jesu. Sie waren es, die sich dort hingewagt haben. Aus Fürsorge und Zuneigung. Es waren Frauen, denen Jesus zuerst begegnet ist und es waren darum Frauen, die zuerst das so Unglaubliche weitererzählt haben. Ohne sie gäbe es unsere Kirche gar nicht!

Fokusthema «Ohne Frauen keine Kirche»

Frauen in der Kirchengeschichte lange unsichtbar: vergessen, verdrängt, aus Texten herausgeschrieben. Ein Blick zurück – und in die Gegenwart.

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