Kolumne: Wem gehört der Himmel?
In vorchristlichen Kulturen wurden Sonne, Blitz und Donner als Gottheiten verehrt, die man gnädig stimmen wollte. In der Bibel aber zeigt sich Gott als Herr des Himmels: Er lässt die Sintflut kommen, aber auch Manna vom Himmel regnen. Doch selbst im «christlichen Europa» hielten sich gewisse, heidnische Wetterzauber-Bräuche bis ins Mittelalter. So sollten etwa Regensteine für segensreiche Niederschläge sorgen. Heute wird auf Technologie gesetzt: Wüstenstaaten schicken Flugzeuge in den Himmel, um Wolken zu «impfen», damit sie gezielt abregnen; Forschergruppen arbeiten daran, mit Schutzschilden aus Aerosolen die Erde gegen zu starke Sonneneinstrahlung abzudunkeln, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Meist zugunsten privilegierter Bewohnender einer bestimmten Region – und zum Nachteil anderer. Ein profitables Geschäft. Die langfristigen Folgen sind unabsehbar.
Eine aktuelle Doku «ARD Wissen: Kampf ums Klima – was, wenn jemand die Sonne abdunkelt?» beleuchtet dieses kontroverse Thema. Was aber macht das mit unseren Seelen, wenn der Himmel sein Blau verliert? Um dieses Szenario geht es in Magdalena Schrefels Roman «Das Blaue vom Himmel»: Einer Dokumentarin bleibt ein halbes Jahr, um die Blautöne des Himmels zu sammeln und für die Nachwelt zu archivieren, bevor er durch «Geo-Engineering» verblassen wird. Die Doku und das Buch stimmen nachdenklich. Wie wäre es, wenn wir Menschen – statt das Heil in fragwürdigen Technologien zu suchen – manches einfach mal lassen oder reduzieren würden? So wie beim Ozonloch: Nach dem weltweiten Verbot von FCKW vor Jahrzehnten ist es deutlich geschrumpft. Haben wir die Demut zu erkennen, dass wir den Himmel nicht besitzen können?
Kolumne: Wem gehört der Himmel?