News von der Glarner reformierten Landeskirche

Proviant aus dem Pfarramt: Unbeschwerte Sommerferien?

von Bruno Wyler-Eschle
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25.06.2026
Gönnen wir einander die sommerlichen Freuden eines leichten, heiteren Lebens – und vergessen wir jene nicht, die gerade jetzt umso mehr die Zerbrechlichkeit und Lasten ihres Lebens spüren.

Von Pfarrer Bruno Wyler-Eschle 

Da ich jetzt vor dem Juli schreibe, weiss ich nicht, ob das Wetter hier ein «hochsom­merlich» ver­dient. Wa­ren Sie schon in den Ferien? Oder haben Sie die wärm­sten Tage des Jahres daheim auf «Bal­konien» verbracht? Haben Sie auf Ferien in diesen Wo­chen verzichtet und nehmen Sie sie lieber sonst einmal?

Ferien zu haben bedeutet oft, auf vergnügliche Weise Gemeinschaft zu geniessen. Familien sehen zu, dass Ferien der berufstätigen Eltern mit den Schul­fe­rien zusammenfallen. Manche Men­schen melden sich zu Wander- oder Ge­sangs­­wochen an. Andere frö­nen den Sommersportarten zu Wasser oder in den Ber­­gen. Wiederum andere belegen eine Kabine auf ei­nem Kreuzfahrtschiff. Aus­ser­dem gibt es Gross­an­lässe des Sports, wo man eine Grill­party mit span­­nenden Fernsehmomenten verbin­den kann.

Die Heiterkeit und Leichtigkeit des Seins tut uns allen gut. Wir wollen nicht immer an Flüchtlinge denken müssen, die wie in einer Nussschale Nord­afrika verlassen und Lam­pedusa ansteuern. Wir hoffen insgeheim, dass Menschen in der Ukraine es etwas besser haben als während der strengen Win­­termonate; ein Ge­danke, den ich in einem Restaurant aufgeschnappt habe. Das Berufsleben darf auch mal ruhen und die Ge­dan­ken daran schweigen. Die Lernenden und die Lehrer­schaft können ei­ne Zeit lang voneinander lassen und einander aus dem Weg ge­hen.

Als Pfarrer begegne ich aber Ereignissen, die vor dem Sommer nicht Halt ma­chen. Ich denke etwa an die Trauerfamilien, die einen lie­ben Menschen ver­loren haben. Da schafft die lockere Atmosphäre oft einen scharfen Kon­trast zum düsteren Tod. Das Blü­hen des Sommers erfährt hier seine Grenze und zeigt auf, dass unser Leben zer­brechlich bleibt.

Eine Frau hat mir einmal gesagt, dass sie in der Region ei­nen kirch­li­chen Anlass be­su­chen gehe. Und weil man da länger verweilen dürfe, ge­mein­sam zusammensitze, einen Kaffee trinke und mit Menschen plaudern könne, vergehe der Sonntag schnel­ler und die halbe Zeit sei dann schon vorbei. Das hat mich zum Nachdenken ge­bracht. Eine leichte, schick­sals­ergebene Bit­terkeit sprach aus diesen Worten. Diese Frau lebt allein. Bereits die Sonntage, die meistens weniger an Aktivitä­ten nahe­legen, scheinen eine Last zu sein und Ein­sam­keit hochsteigen kann.

Da vermute ich, dass erst recht die Sommerferienzeit für Alleinstehen­de der Ruhe zu ­viel bieten kann. Anscheinend können Sonntage und Ferien sich in der er­leb­ten Zeit so zer­deh­nen, dass sich diese Men­schen re­gelrecht nach Gemein­schaft sehnen. Ich bitte Sie daher, auch in der Lockerheit des Som­mers zusammen mit uns von der Kirche ein wach­sa­mes Auge für Menschen zu wahren, die mit den Freizeiten dieser Wochen nicht so gut zurecht­kom­men. Ach­ten wir doch da­r­auf, dass allein leben­de Menschen nicht ganz isoliert die warmen Tage ver­brin­gen müssen. Immer wieder Gemeinschaft zu stiften war ja schliesslich auch ein Grund­zug im Leben Jesu Christi.

Bilder Pixafree

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