Proviant aus dem Pfarramt: Unbeschwerte Sommerferien?
Von Pfarrer Bruno Wyler-Eschle
Da ich jetzt vor dem Juli schreibe, weiss ich nicht, ob das Wetter hier ein «hochsommerlich» verdient. Waren Sie schon in den Ferien? Oder haben Sie die wärmsten Tage des Jahres daheim auf «Balkonien» verbracht? Haben Sie auf Ferien in diesen Wochen verzichtet und nehmen Sie sie lieber sonst einmal?
Ferien zu haben bedeutet oft, auf vergnügliche Weise Gemeinschaft zu geniessen. Familien sehen zu, dass Ferien der berufstätigen Eltern mit den Schulferien zusammenfallen. Manche Menschen melden sich zu Wander- oder Gesangswochen an. Andere frönen den Sommersportarten zu Wasser oder in den Bergen. Wiederum andere belegen eine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff. Ausserdem gibt es Grossanlässe des Sports, wo man eine Grillparty mit spannenden Fernsehmomenten verbinden kann.
Die Heiterkeit und Leichtigkeit des Seins tut uns allen gut. Wir wollen nicht immer an Flüchtlinge denken müssen, die wie in einer Nussschale Nordafrika verlassen und Lampedusa ansteuern. Wir hoffen insgeheim, dass Menschen in der Ukraine es etwas besser haben als während der strengen Wintermonate; ein Gedanke, den ich in einem Restaurant aufgeschnappt habe. Das Berufsleben darf auch mal ruhen und die Gedanken daran schweigen. Die Lernenden und die Lehrerschaft können eine Zeit lang voneinander lassen und einander aus dem Weg gehen.
Als Pfarrer begegne ich aber Ereignissen, die vor dem Sommer nicht Halt machen. Ich denke etwa an die Trauerfamilien, die einen lieben Menschen verloren haben. Da schafft die lockere Atmosphäre oft einen scharfen Kontrast zum düsteren Tod. Das Blühen des Sommers erfährt hier seine Grenze und zeigt auf, dass unser Leben zerbrechlich bleibt.
Eine Frau hat mir einmal gesagt, dass sie in der Region einen kirchlichen Anlass besuchen gehe. Und weil man da länger verweilen dürfe, gemeinsam zusammensitze, einen Kaffee trinke und mit Menschen plaudern könne, vergehe der Sonntag schneller und die halbe Zeit sei dann schon vorbei. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Eine leichte, schicksalsergebene Bitterkeit sprach aus diesen Worten. Diese Frau lebt allein. Bereits die Sonntage, die meistens weniger an Aktivitäten nahelegen, scheinen eine Last zu sein und Einsamkeit hochsteigen kann.
Da vermute ich, dass erst recht die Sommerferienzeit für Alleinstehende der Ruhe zu viel bieten kann. Anscheinend können Sonntage und Ferien sich in der erlebten Zeit so zerdehnen, dass sich diese Menschen regelrecht nach Gemeinschaft sehnen. Ich bitte Sie daher, auch in der Lockerheit des Sommers zusammen mit uns von der Kirche ein wachsames Auge für Menschen zu wahren, die mit den Freizeiten dieser Wochen nicht so gut zurechtkommen. Achten wir doch darauf, dass allein lebende Menschen nicht ganz isoliert die warmen Tage verbringen müssen. Immer wieder Gemeinschaft zu stiften war ja schliesslich auch ein Grundzug im Leben Jesu Christi.
Bilder Pixafree
Proviant aus dem Pfarramt: Unbeschwerte Sommerferien?