BBB - Blinder Bettler Bartimäus
Wie ist es eigentlich, wenn man nichts sehen kann? Das fragt eine, die sich in letzter Zeit aufregt, dass ihre Arme nicht lang genug sind, um ohne Brille zu lesen. Aber wie es eigentlich ist, bleibt mir natürlich verborgen. Bei unseren Dachbodengeschichten durften die Kinder das einmal ausprobieren. Wie es ist, wenn man z.B. mit verbundenen Augen ein Zitronenstück in den Mund gesteckt bekommt. Oder wie es ist, wenn man mit verbundenen Augen versucht, eine Strecke zu gehen. Sie merkten schnell, dass sie dann Hilfe benötigen und auf andere angewiesen sind, die sie an die Hand nehmen.
Auf Bartimäus, den Mann aus dem Markusevangelium, hat niemand aufgepasst. Er sass in Jericho am Strassenrand und musste betteln. Vielleicht hat ihm der eine oder die andere mal ein bisschen Wechselgeld in die Schale geworfen, aber das wird´s gewesen sein. Im Alten Israel wie überall in früheren Zeiten galt man nicht viel, wenn man ein Gebrechen hatte.
Bartimäus galt nichts. Und vielleicht hat er gerade darin seine Chance gesehen. Als es hiess, Jesus käme in die Stadt. Denn Bartimäus hatte etwas von Jesu Botschaft verstanden, von dem die Menschen in Jericho vielleicht noch weit entfernt waren:
Dass es Jesus nicht um den schönen Schein geht, sondern gerade um die Entrechteten und Perspektivlosen. Der blinde Bartimäus ist der, der sieht, was jene, die aufgeregt auf Jesus warten, nicht sehen. Er ruft, etwas anders, als ich es den Kindern erzähle: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner.“ Bartimäus ist der erste, der Jesus mit dem Titel Sohn Davids anspricht, mit dem messianischen Titel.
Gott selbst ist am Werk
Bartimäus hat verstanden. Hier ist kein Wunderheiler am Werk, sondern hier handelt Gott selbst. Und deswegen ist er auch nicht still, als die Leute ihn anmotzen, er solle gefälligst ruhig sein. Er ruft noch lauter, weil er glaubt, dass sein Leben eine Wende nehmen kann. Und tatsächlich Jesus bleibt stehen. Der Glaube, der Bartimäus bewegt, rettet ihn. Die Verehrung der vielen, die um ihn herumstehen, ist für Jesus weniger wert, als der Hilferuf dieses einen.
„Was willst du, dass ich tue?“ - „Meister, ich möchte wieder sehen.“
Und dabei legt er seinen Bettlermantel und symbolisch auch sein altes Leben ab.
Und Bartimäus, wir haben es gehört, kann wieder sehen.
Aber noch mehr, Bartimäus hat auf Gott vertraut. Er hat erkannt, wen er vor sich hat, ohne ihn sehen zu können. Und so ist Bartimäus einer von den Jüngerinnen und Jüngern, der die Botschaft Jesu verstanden hat und er ist einer von denen, die in der Schar der Freundinnen und Freunde von Jesus den Durchblick haben.
Die Geschichte vom blinden Bettler Bartimäus ist nicht einfach nur eine Heilungsgeschichte. Sie wird von Markus erzählt, um uns, die ja oftmals Sehende sind, auf das Sehen aufmerksam zu machen.
Bartimäus tritt in die Nachfolge ein. Er vertraut auf Gott und geht damit in ein neues und ich bin sicher glücklicheres Leben. Bartimäus macht uns aufmerksam auf unsere eigene Blindheit und er sagt uns: „Gib den Mut nie auf, es ist nie zu spät. Wenn ihr Gott von ganzem Herzen sucht, dann wird er sich von euch finden lassen.“
Foto (Dagmar Doll): Ăśbung aus dem Konfirmandenlager mit zugebundenen Augen
BBB - Blinder Bettler Bartimäus