News von der Glarner reformierten Landeskirche

Glauben im Alltag: Achte auf deine Worte

von Mona Wülser
min
26.09.2026
«Was aber aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.» Dieser Satz aus Matthäus 15,18 gibt mit zu denken. Zwar empfand ich meine direkte, ungeschliffene Ausdrucksweise immer als gut und richtig. Doch wie wäre es, einmal mehr Kraftausdrücke im positiven Sinn zu benutzen?

Von Mona Wülser, Ennenda

Vor einiger Zeit traf ich zufällig einen alten Schulkameraden wieder. Er fragte mich, was ich denn jetzt beruflich mache. Als ich ihm erzählte, dass ich in der Kirche Ennenda als Sigristin tätig sei, lachte er. So richtig schallend. Er entschuldigte sich darauf. Er habe gemeint, es müsse sich um einen Witz handeln, denn er kenne mich aus alten Zeiten nur als Querschläger mit dem Mundwerk eines Fuhrknechts. Nun, das Querschlägerdasein habe ich vor Jahren abgelegt, jedoch umfasst mein Vokabular eine erstaunlich bunte Menge an allerhand bildhaften Kraftausdrücken. Natürlich werden Sie mich beim Sonntagsgottesdienst nicht fluchen hören. Aber es ist eine Tatsache, dass ich die Angewohnheit habe, auch kleine Unannehmlichkeiten mit überbordender Gossensprache zu kommentieren und auch mal Götz von Berlichingens Gruss anzuwenden. Die Reaktion meines Schulfreundes ist also sehr wohl verständlich. Nach einem Moment peinlicher Stille fragte er, sichtlich um treffende Worte ringend: «Musst du dich da nicht immer irgendwie verstellen?» Nein, muss ich gar nicht. Aber ich wusste genau was er meinte.

Das Klischee eines Kirchgängers, engelsgleich Segenswünsche flötend. Jemand, die hingeht, um zu sehen und gesehen zu werden. Und um zu zeigen: «Ich bin ein besserer Mensch». Nein, das muss ich ganz und gar nicht. Wäre es so, würde ich nicht in der Kirche arbeiten. Wären die Leute so, welche die Kirche besuchen, würde ich mich da nicht aufhalten wollen. Aber dass Gott uns so annimmt, wie wir sind, bedeutet ja nicht, dass wir uns wie komplette … (hier bitte ein unflätiges Wort Ihrer Wahl einfügen) verhalten können.

«Was aber aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.» Dieser Satz beschäftigt mich sehr. Einerseits empfand ich meine direkte, ungeschliffene Ausdrucksweise immer als gute Eigenschaft. Ich versuche ehrlich zu sein, was meine Empfindungen betrifft. Aber was ist mit einem Herzen los, welches so sehr auf das Schlechte fokussiert ist?

Ich versuche seit geraumer Zeit, diesen Fokus neu einzustellen, den positiven Empfindungen mehr Raum zu geben und diese entsprechend zu benennen. Und zwar genau so fantasievoll überbordend, wie ich zuvor geschimpft habe. Gar nicht so einfach. Man kennt, auch wenn man sich gemässigt ausdrückt, viel mehr Beschimpfungen als lobende Bezeichnungen. Versuchen Sie es einmal. Nennen Sie drei fantasievolle Bezeichnungen für einen Menschen, den Sie zutiefst respektieren. Und wenn Sie mögen, kommen Sie doch in Ennenda zum Gottesdienst vorbei und erzählen mir im anschliessenden Kirchenkaffee von Ihren Wortkreationen. Das tut bestimmt auch den weniger grimmigen Herzen gut. Und meinem Schulkollegen von damals: Danke für den Denkanstoss, du glorreicher Sohn einer edelmütigen Mutter!

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